ich habe eine Tante, die ich sehr liebhab, sie war als Kind immer wie eine Mutter für mich und ich hab auch eine Zeitlang bei ihr gewohnt. Zu dieser Zeit gings mir auch relativ gut, trotzdem hat auch sie gemerkt, dass manchmal was nicht gestimmt hat mit mir. Bei einem Besuch an Weihnachten ist die Stimmung aber gekippt, weil ich zur Krisenbehandlung in der Klinik war. Seitdem habe ich oft Vorwürfe bekommen, warum ich denn "ständig" da wäre und nicht normal arbeite. Sie kann sich da nicht hineinversetzen, nehme ihr das ja auch gar nicht übel.
Ich wollte gern eine berufliche Reha machen, was sie schon nicht verstanden hat. Aber ich hatte zwei Praktikumsstellen und konnte ihr wenigstens sagen, dass ich jetzt was zu tun habe. Das zweite Praktikum habe ich aber schon nach zwei Tagen beendet, weil es nicht das Richtige war. zudem hat das Amt mir gesagt, ich solle noch medizinische Reha machen. Das würde meine family niemals verstehen. Ich würde mich so gern da melden, wollte sie alle einladen, damit sie meine Wohnung sehen, wie sie jetzt ist, würde ihnen ja gern erzählen, dass ich was schaffe.
Aber jetzt steh ich wieder da mit nichts, warte auf den Rehaplatz und bin selber angenervt, dass ich nichts zu tun habe. Bald werde ich wieder in die Klinik gehen, das habe ich meiner Tante sogar erzählt und sie fand es ok, weil es ein Thema zu bearbeiten gibt, wo sie mein zentrales problem sieht. Ich habe alle da sehr lieb, aber ich hab im Moment keine Kraft, ihnen Dinge zu erklären, die sie nicht akzeptieren würden und bin auch ein bisschen enttäuscht, weil Arbeit und Leistung für sie das Wichtigste sind. Jetzt habe ich mich seit einigen Wochen nicht da gemeldet, obwohl ich alle sehr vermisse. Sie werden jetzt denken, ich will nichts mehr von ihnen wissen, dabei hab ich einfach Angst und ein schlechtes Gewissen.
Aber wenn ich anrufe, wird die erste Frage sein, ob ich noch arbeite und wenn ich mich nicht melde, ist es auch falsch. Bin richtig verzweifelt, wollte es nur mal loswerden
ich kann beide Seiten irgendwo verstehen. Deine Familie weiß aber, das du BL hast, oder?
Meine Familie hat sich da unheimlich schwer mit getan, keine Ausbildung, Studium nicht geschafft, neues angefangen, Klinikaufenthalte etc. Mit der Zeit wurde es besser, wohl auch, WEIL ich vor 4,5 Jahren anfing zu arbeiten. 2 Std am Tag, 4 Tage die Woche. Meine Eltern dachten nach meiner Anorexie, dass jetzt alles besser wird, aber das wurde es natürlich nicht. NUr mit NOrmalgewicht ändert sich die Problematik ja nicht...
Seit 7 Jahren ist die Problematik jetzt Thema und ich glaube, ca 5 Jahre hat das auch gedauert, bis meine Eltern merkten, das ich mein möglichstes tue. Sie wollten auch nie was hören, sahen nur die Therastunden, das ich in ne Klinik muß, ich solle mich zusammenreissen, ich wäre doch so intelligent etc. Mein Gott gab das viele Diskussionen in meinem Leben, wo ich oft völlig fertig rausgegangen bin...oder gar nicht erst die KRaft hatte, etwas zu sagen, weil ich mich schon gut fand, das ich 1 Unikurs hatte z.B.
Na ja, aber Familie ist halt Familie und man liebt sie irgendwo. Aber auch die sind oft überfordert, verstehen nicht, was falsch lief...ich hab irgendwann erfahren, das meine Mutter andauernd geweint hat, weil sie das nicht verstehen konnte...bis sie sich damit auseinandersetzte, was superwichtig ist. Aber das muß leider von denen kommen.
Hi,
du bist doch nicht krank, du bist nur faul, hast genug gearbeitet und machst jetzt einen auf Aussteiger!!
Alles und Ähnliches hat wohl jeder gehört, der seelisch krank wird; deshalb gibt man dem Kind auch hin und wieder neue Namen- burn out - ist lediglich eine Depression mit Organerschöpfung- klingt aber besser.
Körperliche Krankheiten sind akzeptiert, weil sichtbar therapierbar.
Seelische Krankheiten sind nicht greifbar und machen den Angehörigen Angst.
Mach dich schlau, welche Bücher das Thema so behandeln, dass auch Nichtfachleute es verstehen, kauf sie dir und lies sie durch; dann entscheide, welches du wem zu lesen gibst.
Es bringt erfahrungsgemäß nichts es selbst erklären zu wollen: sie glauben dir nicht.
Lass dir Zeit dich zu therapieren, überstürze nichts, nur um den Anderen gerecht zu werden; du wirst es bereuen wenn du einen Rückfall hast, der dich tiefer trifft als du gedacht hast.
Erst als ich mich entschieden hab voll und ganz dem Psychiater zu trauen ging es langsam aber unaufhaltbar nach oben. Von ganztägig im Bett rum liegen bis jetzt 2 Std täglich zu arbeiten 6 Tage die Woche hat es 2,5 Jahre Kliniken und insges 8 Jahre gedauert.
Such dir schneller Hilfe als ich und hör auf deinen Arzt; Psychologen trau ich zB nicht.
mfg
elias