Suche praktizierte Lösungen und Versuche, um eine dauerhafte Beziehung aufzubauen, Dos/Donts

  • Hallo an alle,


    wenn ich denn alles was ich für relevant halte hier ausbreite dauert das
    etwa 20-30 Din A4 Seiten. Das will ja auch keiner; ich versuche es mal
    kurz:



    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich, als ich dann das Phänomen
    Borderline und was mit Angehörigen oder Nahestehenden passieren kann mir
    erlesen habe, feststellen musste, dass ich wohl mit meiner Wahrnehmung
    der Situationen und Handelnden und Folgen nicht so weit weg von Anderen
    bin, denen es genauso geht. Schwierig ist, Selbstmitleid, eigene Schäden
    und Besonderheiten von denen des Anderen zu differenzieren. Mangels
    sicherer Selbstsicht und weiter um sich greifender Verunsicherung
    meinerseits, inwiefern ich doch Miturheber der Situationen bin, fällt
    mir eine Differenzierung schwer. Damit sind auch die Regeln unklar. Ich
    weiß nur: so etwas habe ich noch nie erlebt und ich bin nicht
    übertrieben aber auch nicht ganz unerfahren.



    Ich bin wohl ein sehr empfindlicher Mensch musste ich feststellen, der
    die meisten Dinge und Situationen recht wissenschaftlich anzugehen
    versucht und eigentlich alles verstehen will. Wenn man die Regeln eines
    Spieles kennt, kann man es erst beeinflussen. Wenn man Besonderheit oder
    "Krankheit" (ich mag das Wort mit entsprechenden Konnotationen nicht)
    oder Persönlichkeitsmerkmale erkennt und in den Kontext setzen kann,
    dann kann man auch etwas ändern. In der Psychologie ist das schwierig,
    da es wenig Tatsachen, Sicherheit oder Regeln gibt, die verlässlich
    erscheinen oder von Dauer sind. Insbesondere unterliegen sie der
    persönlichen subjektiven Sicht und sind damit höchst bedenklich zu
    bewerten.



    So sah und sehe ich mich in der mittlerweile separierten "Partnerschaft"
    einer Reihe von Umständen und Situationen gegenüber, die mir neu waren,
    die ich nicht einordnen konnte, die unlogisch waren, jetzt nicht im
    übertrieben technischen Sinne, sondern sehr wohl im Umfang meiner
    bisherigen sozialen Erfahrung. Nachdem ich feststellen musste, dass ich
    darunter leide und dies so langsam Züge annimmt, die bei mir
    möglicherweise dauerhafte Schäden verursachen - wenn nicht schon
    verursacht haben - habe ich die Dinge, die mir aufgefallen sind und die
    ich ein wenig kategorisieren konnte mit den verschiedenen
    Persönlichkeitsstilen verglichen, die es so gibt. Die Auffälligkeiten
    waren:



    + Völlig überstarkes Liebes-Gefühl (für die Techniker: 3x so stark wie je zuvor)



    + meinerseits am Anfang: Heiratsantrag, was ich noch nie im Leben gemacht habe



    + Starke Übereinstimmung: Gefühl des intensivsten Verständnisses, Harmonie und Gleichklang



    + Absolutes Vertrauen und absolute Offenheit meinerseits über
    Einstellungen Vergangenheit etc., das was ich mir eben auch wünsche.



    Ich suche selbst eine sehr nahe Beziehung, wohl wissend, dass dies
    eigentlich zu nah ist, da die Mutterliebe gesucht wird, die incl. vielem
    anderen in meiner Kindheit fehlte.



    Nach 3 Monaten etwa ging es los mit:
    scheinbarer oder tatsächlicher Eifersucht
    starkes schwarz-weiß Denken
    Argumente und Offenheiten meinerseits wurden vor einen konträren Hintergrund gesetzt und mir vorgehalten.
    Es folgte Mutwilligkeit, dem Anderen (mir) Motivationen zu unterstellen,
    die sein Verhalten weitestgehend negativ interpretieren: Du willst ja
    mich nur schädigen, bereitest das minutiös vor...
    Vorwürfe, etwas im Schilde zu führen gegen den Anderen, in ihm ein Feindbild sehen,ihn nur "vernichten" zu wollen,
    Übelste Beschimpfungstiraden, wenn ich nur 1 (!) Wort sage, kommt gleich "A-loch, f* dich"
    Ich sei der letzte Mensch auf der Erde,
    ich sei "derjenige, der seine Frau mit dem nackten A* auf die heiße
    Herdplatte setzt und ihr den Arm bricht bis die Knochen splittern."
    Zitatende.
    Wenn ich heule heißt es: "mach hier nicht so eine Show; das dient doch
    nur ...." irgendwas eben, was ich wieder mal im Schilde führe.
    Mir wird in Worten, die ich (unglauglich!) selbst nicht hätte besser
    wählen können vorgehalten, was sie kürzeste Zeit vorher exakt so selbst
    mir gegenüber getan hat, wie sei es kritisiert: Argumente verdreht,
    Vertrauliches gegen den Anderen verwendet, Dinge behaupten, die
    grundsätzlich nur unter völliger Ausserachtlassung von Sinn, Logik und
    Tatsachen so behauptet werden können, siehe Katalog oben.



    Leider hat sie wohl mal eine Therapie
    abgeschlossen, scheinbar mit der Maßgabe: "Liebe Dich selber, Wenn
    andere was von dir wollen, grenze dich erstmal ab. Du bist richtig. "
    Das führt in der Praxis zu folgender Wahrnehmung: Sie hat Recht und ist
    richtig und entsprechend der andere schuld, er muss sein Verhalten
    ändern.



    Was mich daran verunsichert: Ich sehe genau dieses bei ihr. Der
    Unterschied sieht mir jedoch so aus: Ich bin grundsätzlich und nahezu
    immer dazu bereit, mich mit ihr zu unterhalten, um Lösungen zu finden.
    Sie lehnt regelmäßig unter Anwendung von Polemik, mich auslachend,
    sonstige Unflätigkeiten ab. Wenn sie bereit ist, zu sprechen, wird auf
    meine Argumente, Beschwerden und Einlassungen exakt garnicht
    eingegangen. Eher wird es umgedreht und gegen mich verwendet.



    Was meines Erachtens erfüllt ist sind folgende Kriterien.



    (1) Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.



    * das nehme ich sehr stark an. Es drückt sich m. E. in der starken Eifersucht und dem offenbaren Kontrollbedürfnis aus.


    (2) Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher
    Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der
    Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.



    * dies scheint sich nur auf die Kernfamilie zu beziehen: kein Kontakt zu
    Mutter Vater Brüdern, einzig Schwester 1x jährlich. Verständlich ob der
    Familiengeschichte. Eben das Distanz-Nähe Problem. Die nahen schaden
    mir, also weg damit. Dieses wird scheinbar vollständig auf mich
    übertragen.


    (3) Identitätsstörung, d. h. ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.



    * Scheint nach aussen stabil; durch Therape "gefestigt", halte ich
    jedoch für nicht stichhaltig. Andere erkennen dies bei ihr als "zutiefst
    verletzte Persönlichkeit"


    (4) Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden
    Aktivitäten (z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmißbrauch,
    rücksichtsloses Fahren, Essanfälle).



    * Nein, Ja (auff. viele Partner gehabt), Nein, Jein, jein.



    (5) Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.



    + Andeutungen; Unterstellung, ich würde duch absichtliche SMS Zusendung
    während ihrer Autofahrt dafür verantwortlich sein wenn sie irgendwo
    gegen fährt und ähnlicher Unfug; tatsächlich deutlich, ich fahr jetzt
    gegen die Mauer. Offensichtlich nicht geschehen.


    (6) Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.



    * Das ist mit s/w- Denken und Fühlen regelmäßig sichtbar, wenn ich wieder mal "der letzte Mensch" bin.



    (7) Chronisches Gefühle von Leere.



    * JA, deutlich selbst oft so geäussert.



    (8) Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.



    * heftige Ausfälle, "ich will dass du tot bist", "ich will dich am
    liebsten schlagen", äussert dies jedoch niemals(!) anderen gegenüber.


    (9) Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.



    * exteme Situationen erinnerten mich bereits weit vor meiner Kenntnis,
    dass es soetwas wie BL gibt, genau an den Übergang zwischen Neurose und Psychose.




    Das war erstmal ein Einstieg.



    Mittlerweile ist sie nach knapp 2 Jahren Beziehung und Zusammenleben
    ausgezogen. Mein intensives Gefühl zu ihr jedoch ist auch ein halbes
    Jahr danach geblieben. Alle nachfolgenden oder vorangegangenen
    Beziehungen oder Anbahnungen werden mit dem starken Gefühl zu ihr
    verglichen, schmecken fad und sind viel zu schwach, um mich ernsthaft in
    die Lage zu versetzen, mir vorstellen zu können, eine brauchbare
    (Liebes-) Beziehung zu einer Frau aufzubauen.



    Das Schwierigste scheint mir, sie zu einer Einsicht zu bewegen -
    überhaupt mal sich mit den von mit jedenfalls wahrgenommenen Umständen
    auseinanderzusetzen, unabhängig davon, wie sie dem selbst
    gegenübersteht. Sie ist außergewöhnlich Intelligent und müsste
    eigentlich einen Zugang zu dem Ganzen bekommen können, ich weiß nur
    nicht, wie.



    Was ist dein größter Wunsch/Traum?



    * Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und von Sicherheit in der
    Partnerschaft. Zusammenleben mit der betroffenen Partnerin aufgrund der
    erlebten Intensität der Beziehung.



    Was erwartest du vom Forum?:



    * Erfahrung Betroffener und Angehöriger zur Durchdringung und Lösung der
    Situation, Erfahrungsaustausch über mögliche, evtl. schon praktizierte
    Lösungen


    Gibt es Lösungsansätze? Ich bin bereit, SEHR viel Zeit und Einsatz zu investieren.


    Brainstorming? :)

  • Hallo cognito!


    Ich habe gerade deinen Text gelesen, in dem du eine Beziehungssituation und -dynamik beschreibst, über die ich mich gerne mit dir austauschen würde. Ich bin Betroffene und habe in den letzten drei Jahren einen Heilungsprozess durchlaufen, über den ich auch ein Buch geschrieben habe, das im nächsten Jahr auch im Handel erhältlich sein wird. Im Zentrum der Borderline-Persönlichkeitsorganisation steht eine Beziehungsstörung, welche in erster Linie eine stark fragmentierte Beziehung zu sich selbst ist und die sich in Außenbeziehungen, vor allem in emotionalen Näheverhältnissen, manifestiert.


    Es gibt Lösungsansätze, die nicht nur ein tieferes Verstehen der Dynamik und ihrer Ursachen sowie eine erhöhte Wachsamkeit und Bewusstheit vor allem des Nicht-Betroffenen, sondern auch und vor allem das beiderseitige Interesse und Bedürfnis, an der Beziehung festzuhalten und die Dynamik in eine konstruktive zu verwandeln, erfordert.


    Das Risiko in der von dir beschriebenen Konstellation liegt darin, dass du als Nicht-Betroffener immer wieder deinen inneren Standort bestimmen mußt, um nicht in die Rolle des "Vater", der "Mutter", des "Therapeuten"/"Retter"/"Coach" zu kommen, denn durch eine solche Rolleneinnahme ist ein partnerschaftliches Verhältnis ausgeschlossen.


    Des Weiteren ist es für dich überlebenswichtig und zugleich beziehungserhaltend, dass du deine eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlierst und dir deine Freiräume schaffst.


    Die betroffene Partnerin steht zunächst vor ganz eigenen und anderen Herausforderungen und Aufgaben, die sie im Kontext einer Paarbeziehung, in der sich sich wertgeschätzt und sicher fühlt, für sich und ggfs. mit therapeutischer Begleitung lösen kann - doch das ist in ihre eigene Verantwortung gestellt.


    Die von dir beschriebene erlebte Intensität der Gefühle ist ebenfalls charakteristisch. Borderline - Betroffene sind unbewusste "Meister der emotionalen Manipulation" - das ist das Ergebnis einer zutiefst ehrlichen Selbstreflexion, weshalb ich das wertfrei hier schreiben darf. Was bedeutet das? Borderline - Betroffene haben eine Tendenz zu symbiotischen Beziehungen und sie haben Mechanismen entwickelt, im Gegenüber intensive und starke Bindungsenergie zu erzeugen. Das war - und ist es für viele auch noch - überlebenswichtig.
    Ich schreibe das an dieser Stelle, damit du für dich prüfen kannst, ob du hier ggfs. Intensität der Gefühle mit Bindungsenergien verwechselst. Ihre Intelligenz ist ihre größte Ressource in einem Entwicklungsprozess, zu dem sie bereit sein muss.


    Nach der von dir beschriebenen Erfahrung erscheint es mir wichtig, dass du deine Aufmerksamkeit für kurze Zeit von der Partnerin abziehst und bei dir ankommst. Es ist wichtig, dass du die Erfahrungen reflektierst, dich fragst, welche deiner Bedürfnisse und Werte in der Beziehung erfüllt wurden und welche nicht.
    Verzichte bitte einen Moment darauf, sie zu irgendetwas zu bewegen - geschweige denn zu einer Einsicht, die sie deiner Meinung nach gewinnen sollte.
    Ihre Intelligenz ist ihre größte Ressource in einem Entwicklungsprozess, zu dem sie bereit sein muss.


    Liebe Grüße von Ute

  • Hallo Ute



    danke für Deine differenzierte Antwort.



    Die Selbst-Bestimmung wird jedoch häufig durch den BL-Partner bestimmt. Sie bestimmt, ich stehe dumm daneben, da ich bisher in meinem jugendlichen Leichtsinn immer davon ausging, dass der Partner meine Bedürfnisse und Interessen so selbstverständlich mit berücksichtigt in seinen Gemeinsames betreffenden Entscheidungen wie ich dies meinte zu tun.



    Meine eigenen Bedürfnisse habe ich manchmal angesehen und festgestellt, dass die Anforderungen, die die BL-Partnerin an mich und meinen Einsatz für sie stellte bei inverser Betrachtung nicht im Ansatz erfüllt wurden: meine Bedürfnisse wurden offensichtlich nichteinmal im Ansatz gesehen. Der Blick auf mich als Person schien völlig verstellt durch wohlthematisierte vergangene Erlebnisse ihn der Familie der Partnerin.



    Anfangs der Beziehung hatte ich ihr einmal gesagt, sie sei wohl der Mensch, der mich am besten verstand von allen bisher kennengelernten. Nach einigen Monaten war das Gegenteil der Fall: Meine Beweggründe und Interessen wurden nicht im Ansatz wahrgenommen, völlig durch Überlagertes aus der Vergangenheit verstellt. Ich konnte mir dies jedoch nicht vorstellen. Es war doch meine Partnerin, mit der könne ich doch offen und klar sprechen und mich mit Argumenten verständlich machen und klären, das all die unterstellten Vorwürfe und Motivationen eben überhaupt nicht meine seien. ich will niemanden zerstören oder runterdrücken oder sonstirgendwas für mich unaushaltbar mir Unterstelltes.



    Glaubte ich.



    Aber Argumentieren förderte lediglich einen noch größeren Widerstand und ein noch stärkeres Gegenhalten ihrerseits. Und noch mehr Unverständnis meinerseits. Ich kann diese unglaubliche Blindheit für Argumente und Realitäten bis heute weder verstehen noch akzeptieren.



    Ich hatte mich selbst auf dem Weg vollständig aus dem Blick verloren.



    m.E. muss es einen Weg geben, sich verständlich zu machen. Ich habe ihn nur nie gefunden.



    Das größte weitere Problem scheint zu sein, dass sie keinerlei Einsicht in ihre problematische Persönlichkeit hat und haben will. Jedes Ansprechen führt zu absoluter Ablehnung und Gegenangriff, so stark, dass ich mir über meinen eigenen Geisteszustand begann, ernsthaft Sorgen zu machen - "das kann ja gar kein so ein Blödsinn sein, wie meine PArtnerin mir das hier darstellt, trotzdem es völlig meiner Wahrnehmung entspricht". Von ihrer Seite aus betrachtet dürfte es genauso ausgeseehen haben. Und das ist das Problem: wer ist Ursache und wer Leidtragender?



    >"Meister der emotionalen Manipulation" - das ist das Ergebnis einer zutiefst ehrlichen Selbstreflexion, w... Borderline - Betroffene haben eine Tendenz zu symbiotischen Beziehungen ... Ich schreibe das an dieser Stelle, damit du für dich prüfen kannst, ob du hier ggfs. Intensität der Gefühle mit Bindungsenergien verwechselst.



    Das verstehe ich nicht.



    > Nach der von dir beschriebenen Erfahrung erscheint es mir wichtig, dass du deine Aufmerksamkeit für kurze Zeit von der Partnerin abziehst und bei dir ankommst.



    Meine Energie ist in der Beziehung geblieben und kehrt nur langsam zurück, wenn überhaupt. Nichts ist wie vorher.
    Mittlerweile habe ich erschrocken festgestellt, dass die vorhergehende Beziehung ähnliche Züge trug, wenn auch nicht so stark ausgeprägt, da die Kindheitserfahrung nicht derart verheerend waren, wie bei der oben beschriebenen Partnerin.
    Ich frage mich, was mein Anteil an Partnerwahl und Fortgang der Beziehung ist.

  • Hallo cognito,


    ich danke dir für deine vertrauensvolle Antwort und ich möchte dir dazu mitteilen, dass du einen "Klassiker" erlebt hast.
    Nach deiner Schilderung kann ich nur vermuten, dass deine Partnerin unter dem Einfluss der für Borderline typischen intrapsychischen Mechanismen steht, die ihr Denken, Fühlen und Handeln unbewusst, d.h. hinter ihrem Rücken lenken.


    Ich vermute, dass sie sich dessen nicht bewusst ist und mit den Konsequenzen ebenso schwer umgehen kann, wie du. Auch das ist typisch : Betroffene verlieren die Kontrolle und schaffen bzw. gestalten Situationen, gegen die sie dann wieder ankämpfen.
    Die therapeutische Maßgabe : Liebe dich selbst.(...) geht zwar grundsätzlich in die richtige Richtung, führt aber nur dann zu einer Verbesserung, wenn sie richtig verstanden, verinnerlicht und gelebt wird und bedeutet in keinem Fall: nehme auf deinen Gegenüber keine Rücksicht, du hast immer Recht und nur deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind wichtig!
    So würde diese Aussage nur als Rechtfertigung für das borderline geprägte Verhalten dienen und Selbstverantwortung, Selbstreflexion, Bewusstmachung und Veränderung verhindern.


    Ich verstehe dein Bedürfnis, dich verständlich zu machen. Doch wie soll ein Mensch, der sich selber nicht versteht, dich verstehen?
    Das ist ausgeschlossen. Borderline - Betroffene haben zutiefst positive Eigenschaften. Hierzu gehören die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen und zu erspüren, was sie brauchen. Dieses Einfühlungsvermögen wird aber benutzt, um den eigenen Mangel an guten Gefühlen, Sicherheit, Stabilität auszugleichen, letztlich also um sich selber vollständig zu fühlen, sich überhaupt lebendig fühlen zu können. Das meine ich mit emotionaler Maipulation. In dem anderen eine hohe Bindungsenergie erzeugen und sich das nehmen, was sie gerade brauchen. Im Klartext bedeutet das tatsächlich, dass andere Menschen instrumentalisiert werden, solange Betroffene sich dieses Verhaltens nicht bewusst werden, die Verantwortung übernehmen und nicht frei entscheiden können, ob sie das so leben wollen oder nicht. Das Ergebnis der Manipulation hast du zutreffend zusammengefasst: " Anfangs der Beziehung hatte ich ihr einmal gesagt, sie sei wohl der Mensch, der mich am besten verstand von allen bisher kennengelernten."


    Wenn Betroffene in den unbewusst wirkenden Mechanismen gefangen sind und zudem in einer strukturellen Angst ( Angst vor Selbstauflösung) und Ohnmacht ( sie erleben sich nicht als steuerungsfähig und damit erleben sich sich als ausgeliefert), sind sie für Argumente nicht zugänglich und haben zudem eine andere, verzerrte Wahrnehmung der Realitäten als Nicht-Betroffene.
    Eine Begegnung auf Augenhöhe und eine Reflexion der Gedanken, Gefühle und des Verhaltens sind dann nicht möglich - nicht, weil der Betroffene nicht die grundsätzliche Fähigkeit dazu hätte und blind wäre. Es sind einfach Auswirkungen einer nicht dauerhaft wirksam behandelten entwicklungsbedingten Identitätsstörung.


    Das anzunehmen fällt Nicht-Betroffenen schwer, weil sie andere Maßstäbe ansetzen, die aber an der Realität eines Betroffenen vorbeigehen, solange er die Symptomatik aufzeigt, die du beschrieben hast.


    Im Moment ist alles, was du tun kannst, tatsächlich nur, dich um eine eigene Klärung zu kümmern.
    Du hast Ähnlichkeiten mit deiner vorhergehenden Partnerschaft festgestellt. Hier könnte sich also ein Beziehungsmuster zeigen, das sich wiederholt. Regelmäßig wiederholen wir die Beziehungsmuster, die uns in unserer Kindheit und Jugend vorgelebt wurden und die wir internalisiert haben - unbewusst, nicht wissentlich.
    Hier könnte sich also ein Anhaltspunkt für deine Partnerwahl und den Beziehungsverlauf zeigen.


    Stelle dir bitte mal folgende Fragen:
    Wie hat die Beziehung begonnen?
    Was war charakteristisch für den Beginn ( im Vergleich zu bisherigen Beziehungen)?
    Was hätte dir auffallen können oder müssen?
    Warum hast du es übersehen? Wolltest du es übersehen?
    Was war der Nutzen für dich, den "Fehler im System" nicht zu erkennen?
    Hast du das schon mal erlebt?
    Lässt sich ein Muster erkennen?


    Eine damit einhergehende Frage wäre: Womit seid ihr beide in Resonanz gegangen? Da Borderline mit einem Mangelerleben einhergeht, stellt sich also die Frage: Welchen Mangel trägts du in dir? Mangel an Selbstwert, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Bedürfniserfüllung....?
    Dieser Mangel bildet ein inneres Resonanzfeld, das du ausstrahlst und mit dem deine Partnerin wiederum in Resonanz tritt.


    Interessant und möglicherweise sehr ausfschlussreich könnte auch dein Erleben sein, dass du deine Energie in der Beziehung gelassen hast. Was genau hat dir die Energie entzogen? Was hast du bei deiner Partnerin gefunden, was dich veranlasst hat, deine innere Mitte zu verlassen und deine Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren?



    Liebe Grüße von Ute

  • Ein Hallo in die Runde
    Und ein gesundes neues Jahr...
    Hallo Cognito,
    Als ich deinen Text laß dachte ich ich hätte ihn verfasst...es ist für mich unglaublich was es dort für Paralelen gibt...ich bin der Meinung das ein Zusammenleben in der Partnerschaft mit einem unbehandelten Borderliner(-in) nicht möglich ist....
    Mein zahlreiches Zusammentreffen mit Fachleuten hat das nur noch einmal bestätigt...
    Ich war ca. 6 Jahre in einer Angehörigengruppe mit fachlicher,ärztlicher Begleitung...
    Jeder der beisitzenden Ärzte hat mir geraten mich deutlich abzugrenzen was ich dann auch schweren Herzens getan habe...
    Manche Sachen sind eben nicht machbar,damit sollte man sich abfinden...
    Das ist meine Sicht der Dinge...man kann eben die Fehler die in frühester Kindheit von den Eltern gemacht wurden nicht als Angehöriger angehen,das sollte der Betroffene selbst erlernen und versuchen anzugehen...
    LG Dach

  • Hallo Dach!


    Auch für dich ein gesundes neues Jahr :) 
    Deine Erfahrung mit einer unbehandelten Borderline-Betroffenen ist eine Erfahrung, die zahlreiche Menschen bereits gemacht haben.
    Ebenso gibt es die Erfahrung, dass mit behandelten Borderline-Betroffenen ein Zusammenleben nicht möglich ist.


    Ich möchte dazu anzumerken, dass es auch die gegenteilige Erfahrung gibt und dass ich Generalisierungen für nicht angemessen und nicht förderlich halte.


    Borderline ist eine Erkrankung mit vielfältigen Ausprägungen und tritt nicht selten auch kombiniert mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf. Und Borderline bedeutet eben nicht zwangsläufig und unabänderbar Beziehungsunfähigkeit.


    Die Borderline-Persönlichkeitsorganisation ist im Kern eine Beziehungsstörung, die in ihrem Anfangspunkt jedoch durch eine stark fragmentierte Beziehung zu sich selbst gekennzeichnet ist. Eine brüchige innere Struktur, sich widersprechende Gedanken und Gefühle, die Angst vor Auflösung in diesem inneren Chaos und der verzweifelte Versuch, ein Stück innere Stabilität und Sicherheit zu erhalten, führen letztlich dazu, dass innere Konflikte nach außen getragen und im Außen - besonders in emotionalen Näheverhältnissen - sichtbar werden, was Paarbeziehungen erheblich belasten und zu destruktiven Beziehungsdynamiken führen kann.
    Der Beziehungsraum wird so leicht zum Konfliktraum.
    Dies ist aber nicht gleichbedeutend mit Beziehungsunfähigkeit des Betroffenen und schon gar nicht aller Betroffenen.
    Es bedeutet "nur", dass von beiden ein erhöhtes Maß an Stresstoleranz und Verantwortung gefordert ist.
    Für den Nicht-Betroffenen bedeutet dies ein starkes Eintreten auch für eigene Bedürfnisse sowie eine ausgeprägte Distanzfähigkeit, um klar zwischen den Erlebniswelten zu trennen, ohne jedoch unnahbar zu sein.
    Borderline ist gekennzeichnet durch einen "Nähe-Distanz-Konflikt", der lösbar ist, wenn der Betroffene sich in einem wertschätzenden und achtsamen Rahmen bewegen kann und der Nicht-betroffene eine gesunde Nähe-Distanz-Relation leben kann. Nur allzuleicht gerät der Nicht-Betroffene in die Rolle des "Therapeuten", "Coach" oder "Retters", mitunter auch in die der "Mutter" oder des "Vaters".
    Dies führt zu einer Rollenkonfusion, die nicht zum Beziehungserhalt beiträgt.
    Es gibt wunderbare Instrumente, wie z.B. die "Wippe", die beide unterstützen können, eine in der Tendenz bereits angelegte Schieflage wieder auszugleichen.
    Betroffene sind keine Borderliner, sondern Menschen, die Borderline und damit eine akzentuierte Persönlichkeit mit starken Persönlichkeitsanteilen und einer ausgeprägten Beziehungskompetenz haben, geprägt durch die Symptomatik einer psychischen Erkrankung, die behandelbar ist und durch unterbliebene Schritte in der Entwicklung, die nachgeholt werden können.
    Insoweit kann eine wertschätzende Paarbeziehung auch therapeutische Wirkung haben, sie sollte jedoch zu keiner Zeit eine professionelle Therapie ersetzen.


    In einem Punkt teile ich deine Auffassung:
    Die Beziehungsdynamik wird entscheidend durch die Borderline-Symptomatik mitbestimmt und der Beziehungserhalt hängt auch von der Bereitschaft des Betroffenen ab, Verantwortung für sich und seinen Therapieprozess zu übernehmen.
    Und an den Nicht-Betroffenen sind erhöhte Anforderungen gestellt und er ist immer wieder aufgefordert, sich abzugrenzen, für seine ganz eigenen Bedürfnisse zu sorgen und für sich zu entscheiden, ob ihm die Beziehung noch gut tut oder nicht.


    Und manchmal ist die Erfahrung, dass die Beziehung nicht lebbar ist.
    Mir ist es wichtig, dass im Zusammenhang mit Borderline und anderen psychischen Erkrankungen keine Pauschalurteile abgegeben werden, denn diese werden werder der Erkrankung noch dem Betroffenen als Mensch gerecht.
    Deine Erfahrung ist eine persönliche Erfahrung, die jedoch keinen Universalcharakter hat.


    Liebe Grüße
    Ute

  • Hallo uvahl,
    Sorry wenn das so rüber kam...ich gebe dir in allen Punkten recht in deinen Ausführungen...die Rolle des Therapeuten wurde mir damals richtig aufgesetzt und man kann sich da als Angehöriger schlecht heraus winden...aus meinen Erfahrungsberichten kann man meine damalige Verzweifelung heraus lesen...das wollte ich damit ausdrücken um vielleicht anderen Angehörigen einen solchen Weg wie ich ihn gegangen bin zu ersparen...
    Es geht mir vielmehr darum das Angehörige Grenzen setzen und die auch von beiden Seiten eingehalten werden zum Schutz aller Betroffenen und Angehörigen...
    Die Erfahrungen die ich machen musste möchte ich weitesgehend jedem ersparen weil sich dadurch für den Nichtbetroffenen eine andere psychische Belastung entwickeln kann.
    Der Begriff "Hilfe durch Nichthilfe" ist daher sehr oft das 1.Mittel zur Wahl...
    Betroffene haben auch das Recht ihre Erfahrungen mit der Erkrankung oder auch Störung zu machen und damit die Fehler die da so passieren zu machen...
    Ich wollte bloss meine Erfahrungen an andere Angehörige weiter geben...
    Auch Angehörige haben das Recht ihre eigenen Erfahrungen mit der Sache zu machen...
    Ich bin der Meinung das man doch vermehrt über psychische Erkrankungen aufklären sollte...nichts anderes wollte ich damit bezwecken...
    Ich wünsche euch allen noch viel Gesundheit und Schaffenskraft
    LG Dach

  • Hallo Dach!


    ich danke dir für deine Antwort. Ich stimme absolut mit dir überein, wenn es darum geht, Erfahrungen - sowohl als Betroffene als auch als Angehörige - weiterzugeben. Das erspart zwar niemandem, eigene Erfahrungen zu machen. Doch manchmal erhalten andere dadurch wichtige Impulse oder werden zumindest sensibilisiert.


    Auch ich halte die Aufklärung über psychische Erkrankuengen für wichtig.


    Ich wünsche dir einen kraftvollen Tag und einen behüteten Weg.


    Liebe Grüße von Ute

  • Auch wenn der Strang schläft, ich erlaube mir hier einmal ganz konkret die Frage: wie soll das gehen? Es gibt ja diese sicher richtigen Ratschläge (nicht kritisieren, Grenzen setzen, Distanz wahren ohne Unahbar zu sein etc.), nur, da komme ich schon heftigst in Konflikt:


    Grenzen setzen ohne zu kritisieren, nicht belehren, nicht werten, dabei aber Mensch/Partner bleiben und nicht zum Therapeuten mutieren. In mir bäumt sich alles auf, weil ich wie viele Angehörige nach Lösungsansätzen suche und immer wieder bei diesen Grundsätzen lande, die in mir aber nicht widerspruchslos aufzulösen sind. Ich fühle mich als Mensch schlicht nicht in der Lage, allen diesen Anforderungen gerecht zu werden und empfinde darin eine erdrückende 'Unmöglichkeit'. Ich empfinde es gar als unmenschlich, zumindest wenn man Partner ist.


    Auch Abgrenzen und die eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen geht in diese Richtung. Ich habe doch auch das Bedürfnis, meine Liebe zu Leben, Nähe zu spüren, auch Sexualität ausleben zu können, bspw. in Distanzphasen meiner Partnerin. Das kann ich nicht mit Freunden oder Sport oder was auch immer kompensieren. Also muss ich zwangsläufig essentielle Bedürfnisse in mir ignorieren oder bspw. Affären beginnen (was ich nicht mag und was auch nicht ohne Konsequenzen bleibt) - oder in letzter Konsequenz die Türe schliessen und mich für Neues öffnen. Was ich ja auch nicht möchte, weil ich doch meine Partnerin liebe.


    Wie lassen sich diese Widersprüche auflösen? Hat das jemand geschafft, kennt jemand praktische und gelebte Wege dazu?


    Du Ute hast tolle Erkenntnisse, sehr lehrreich, schön, dass Du sie so gut ausformuliert teilst - aber es sind eben auch sehr 'therapeutische' Ansätze und dazu bin ich weder in der Lage noch bereit.


    Buh. Am Schluss bleibt die eigenen Hilflosigkeit und die Frage, wie lange man sie auszuhalten bereit ist, so empfinde ich das gerade.

  • Hallo @dcd,


    ich danke dir für deine kritisch-hinterfragende Refelxion der praktizierten Lösungen in diesem Thread und aus meiner Sicht stellst du die zutreffende Frage: "WIE soll das gehen?" - eine Frage nach der Umsetzung der hier dargestellten Lösungsvorschläge.


    Das es funktioniert, haben bereits zahlreiche Menschen erfahren und erleben dürfen und auch diese Menschen - Betroffene und Angehörige gleichermaßen - haben bei der Umsetzung ähnliche Fragen und Empfindungen gehabt, wie du sie in deiner Antwort darstellst.


    Auch ich als ehemalige Betroffene und nunmehr tätige Psychologische Beraterin und Therapeutin durfte die Wirksamkeit dieser Vorschläge selbst erfahren - auf beiden Seiten.


    Ich halte es für vollkommen legitim, auf therapeutisch wirkungsvolle Methoden und Instrumente zurückzugreifen - auf alles, was funktioniert und zum Beziehungserhalt beiträgt.
    Und nicht jede dargestellte Methode ist für jeden gleichermaßen zugänglich und es handelt sich auch nicht um eine abschließende Aufzählung.


    Was mir wichtig erscheint ist, dass Angehörige sehr leicht in die Rolle des Therapeuten geraten und hier Verantwortung für den Partner/ die Partnerschaft übernehmen, die sie alleine nicht tragen können. Zu diesen Rollenkonflikten gibt es hier im Forum zahlreiche Beiträge.
    Oftmals ist es so, dass ein nicht betroffener Angehöriger / Partner vor der großen Herausforderung steht, sich abzugrenzen und vor allem verantwortlich mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen.
    Und vielfach finden die eigenen Bedürfnisse nicht genug Raum und Erfüllung in einer Partnerschaft mit einem Betroffenen.


    Natürlich wünscht sich jeder, auch die eigenen Bedürfnisse mit dem Partner leben und erfüllen zu können, doch für Betroffene ist dies oftmals nicht oder nur schwer möglich - tragen sie im Innern doch eigene Bedürfniskonflikte aus und nutzen sie doch den Bezieghungsraum häufig als Konfliktraum.
    Hier ist jedoch jeder nicht betroffene Partner gefordert, in der Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse und deren Erfüllung zu bleiben und sich immer wieder neu zu fragen, ob er in der Beziehung, so wie sie gestaltet und möglich ist, bleiben will und wenn ja, auch den eigenen Beitrag immer wieder zu reflektieren.


    Liebe ist eine wunderbare Voraussetzung und auch Basis für eine Beziehung und mitunter reicht die Liebe für eine Beziehung nicht aus - denn gerade im Kontext einer Borderline-Betroffenheit wirken zunächst ganz andere Bindungskräfte in emotionalen Näheverhältnissen als die Liebe, die sich selbst und den anderen frei lässt.


    Die Widersprüche lassen sich auflösen - und hier ist auch der Borderline-Betroffene in höchstem Maße gefordert, an sich und seiner Persönlichkeitsstruktur zu arbeiten. Und für die Dauer dieses möglichst therapeutisch begleiteten Prozesses ist ein Angehöriger / Partner in der Situation, ein Mehr an Verantwortung auch für die Beziehung zu übernehmen, bis nach und nach die Balance hergestellt werden kann.


    Die Frage ist nicht, OB diese Ansätze funktionieren, sondern was einen selbst daran hindert, sie umsetzen. Und die Bewertung "Wenn ich therapeutische Methoden anwende bin ich in der Rolle des Therapeuten" erschwert und verhindert die Umsetzung.
    Förderlicher ist vielleicht die Sichtweise: "Wenn etwas nicht funktioniert, dann mache ich etwas anderes." und "Wenn etwas funktioniert, dann mache ich mehr davon." - diese Sichtweise öffnet uns für konstruktive Beziehungsgestaltungen, in denen die Bedürfnisse beider Raum haben.


    Gerne können wir uns über das WIE und innere Hinderungsgründe austauschen - hier im Thread oder via cChat.
    Vielleicht hilft dir der Austausch, dir deiner Möglichkeiten und auch der Grenzen bewusst zu werden und die eigenen Grenzen in der Einflußnahme auf die Beziehungsgestaltung auch zu respektieren.
    Den Fokus auf die Möglichkeiten zu lenken führt aus dem Gefühl der eigenen Hilflosigkeit und in die Handlungs- und Gestaltungskompetenz.


    Liebe Grüße
    Ute

  • Hallo dcd,
    Deine letzte Frage war für mich die wichtigste und auch ehrlichste Frage!

    • Es bringt meines Erachtens garnichts wenn sich ein Angehöriger bis zuletzt selbst aufgibt so das er nicht nur Angehöriger bleibt sondern zum Betroffenen wird....das wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das erste Mal das so etwas passiert....ich denke jeder sollte seine Grenze der Belastbarkeit selber finden wobei es nicht hilfreich ist diese Grenze selbst überschreiten zu lassen...
    • LG Dach


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  • Liebe Ute, lieber Dach, danke für euer feedback.


    Ja, einen Austausch würde ich sehr schätzen, die meisten Leute in meinem Umfeld überfordert das eher und/oder sie blocken aus diversen Gründen ab.


    Gerade weil ich weiss, dass es prinzipiell möglich ist, eine Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und Umgang mit dem Partner herzustellen, hadere ich manchmal mit der Tatsache, dass es mir anscheinend oft nicht gut gelingt.


    Recht habt ihr beide, Selbstaufgabe ist gar nicht mein Ding und Abgrenzen habe ich über die Jahre dauernde on/off Beziehung relativ gut gelernt - trotzdem kommen auch immer wieder Schuldgefühle auf, ich arbeite daran. Ebenso kommuniziere ich meine Bedürfnisse, manchmal vielleicht (ganz sicher...) nicht in der richtigen Form.Es ist mir klar, dass ein grösserer Teil der Beziehungsarbeit auf meiner Seite liegt, was nicht immer einfach ist, weil da, ich sag mal, die 'klassische Beziehungspsychologie', quer in der Landschaft steht. Trotzdem, das kann ich grösstenteils gut bewältigen, hätte aber natürlich gerne hin und wieder Anerkennung dafür, die fehlt weitgehend.


    Ich bin mir auch meiner Grenzen und meiner Anteile (ausgeprägtes Ego, Verlustangst etc.) bewusst -was mich lange zu der falschen Annahme gebracht hat, das alleine bearbeiten z können. Ich habe mir in der Zwischenzeit Hilfe gesucht, in erster Linie wegen meinen Anteilen, das steht aber noch ganz am Anfang. Sicher habe ich auch ein Helfersyndrom (Problemlösungen gehören zu meinem Job), aber mir ist seit Jahren klar, dass ich sie nur begleiten kann.


    Wo ich regelmässig scheitere und auch keine Ahnung habe, wie hier ein 'Grenzen setzen' aussehen soll ist, wenn sie geht, den Kontakt abbricht, aus meinem Leben verschwindet. Das geschieht meist ohne Vorwarnung -erst im Rückblick sehe ich einzelne Anzeichen, die sind aber meist sehr vage und bieten viel Interpretationspotential...ich bekomme dann aus für mich im Moment heiterem Himmel eine SMS mit Vorwürfen und weg ist sie. Und immer endgültig - die Angst, das es irgendwann soweit ist, bin ich nie ganz losgeworden, auch wenn ich deutlich gelassener bleibe, als zu Beginn. Mühsamer ist die Ungewissheit und nicht zu wissen, ob sie sich in dieser Zeit auf andere Männer einlässt - einmal war es sicher so, das hat sie dann auch nicht versteckt vor mir. Dieses miese Gefühl, das ich mit mir arbeite, die Situation möglichst neutral aushalte und sie sich vielleicht bereits'vergnügt'...buh.


    Wenn sie dann wiederkommt, ist es meist aus Not oder weil sie wieder bei sich angekommen ist, das ist zumindest, was sie mir dann zeigt. Es ist auch kaum möglich, über Gründe etc. zureden - sie geht zwar meist kurz darauf ein, möchte dann aber gleich in den Beziehungsalltag zurückkehren - und droht damit, sonst gleich wieder zu verschwinden. Das habe ich natürlich auch schon darauf ankommen lassen, etwas wirklich Konstruktives entsteht da aber eher nicht. Doch, ein einziges Mal, aber an die daraufhin getroffenen Abmachungen hat sie sich nicht gehalten (es ging nur darum, das sie kommuniziert, wenn es wieder 'finster' wird in ihr).


    Sie ist übrigens auch in Behandlung, Thema ist soweit mir bekannt PTS, gearbeitet wird mit Neurofeedback. Ich finde auch, dass sie Fortschritte macht, mehr für die Beziehung getan hat, mutiger wurde (sie hat auch Angststörungen), konfliktfähiger und sie war sogar manchmal vor mir in der Lage, auf gute Art einen Konflikt zu beenden. Mann, ich war stolz auf sie.


    Trotzdem ist sie wieder weg, Klassisch, SMS, ich sei beziehungsunfähig und Tschüss. Kein Kontakt seit drei Wochen, hat sie auch angekündigt, das sie nicht mehr antworten wird (das ist neu...). Mit einer Ausnahme. Auf eine SMS von mir, in der ich ihr mitgeteilt habe, das ich nun Hilfe in Anspruch nehme und sie mir fehlt, kam ein 'Ja, mach das.'


    Und hier laufe ich auf -wie kann man sich davon abgrenzen, wie eine Grenze ziehen - wenn es ihr offenbar so wenig ausmacht (...), die ganze Geschichte, temporär oder nicht, an die Wand zu fahren. Das ist ja wie ein Zünden der letzten Stufe, was bleibt mir da noch? Ist ja auch nicht so, dass man sich von einem Tag auf den anderen als Single fühlt und verhält, ich jedenfalls nicht. Da bleibt mir dann eben nur die Ratlosigkeit.


    Oje, mehr geworden als gedacht ;)


    Hoffe ihr könnt auch etwas Sonne geniessen,


    Dom

  • Hallo dcd,
    ich möchte hier niemanden zu nahe treten....möchte nur meine Erfahrungen die ich als ehemaliger Angehöriger mit der Störung gemacht habe weitergeben...
    Wie ihr ja wisst war ich fast 11 Jahre in dieser Beziehung mit einigen Unterbrechungen...man kann sagen das ich 7 oder 8 mal,jedes Jahr um die fast gleiche Zeit getrennt war und das sie sich fast immer um die selbe Zeit im Jahr nach ca. 6 Monaten sich wieder um mich bemühte....
    Ich möchte euch nur klar machen das das alles Rückfälle waren und diese Erfahrungen mich nicht positiv gestimmt haben...ganz im Gegenteil aus dem Grunde heraus das ich von ihr zu

    gerufen wurde.
    Sich das selber anzutun kann ich niemandem nur ansatzweise raten!
    Die Rückfallquote laut Statistik liegt bei der BPS laut meines Wissens bei über 90 Prozent.
    Die letzten 7-8 Jahre habe ich mich auch mehr als nur belesen zu dem Thema sowie war ich in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Erkrankter...
    Man sollte sich vorher darüber klar sein das solche Erfahrungen bei jedem Menschen Spuren hinterlassen...
    Wir Menschen haben das weit entwickelste Gehirn,das Erfahrungen,egal ob positiv oder auch negativ, immer weiter in's Leben und damit auch in Beziehungen mitnimmt.
    Diese Erfahrungen kann man nicht einfach löschen. Ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen das mir genau so ging.
    Wenn der Betroffene therapiewillig ist ist das schon ein guter Anfang aber es gibt genügend Fakten dafür das Therapien mitten drin abgebrochen werden und letztendlich nicht weiter gemacht werden was nicht zur Lösung des Problems führt.
    So habe ich leider das Ganze miterleben müssen und im Endeffekt betrachtet kann ich niemandem dazu raten die gleichen Erfahrungen zu machen.
    Dcd dir möchte ich sagen und mit auf den Weg geben das du dich nicht selbst aus den Augen verlierst und dich selber immer im Blick haben solltest.
    Dazu gehört das man seinem Gegenüber Grenzen setzt die man auch einhalten muss.
    LG Dach


    Edit by Katrin: Spoiler gesetzt

  • Danke für Deinen Beitrag Dach.


    Noch habe ich den Glauben nicht ganz verloren - und bin mir selbst nicht sicher, ist es Dummheit, Unbelehrbarkeit, Abhängigkeit - oder eben doch Liebe. Ich grenze mich ab, kommuniziere meine Bedürfnisse etc. - aber es nützt halt nichts, wenn sie sich jederzeit abwenden kann.


    Was ich weiss ist, dass mich dieses Gefühl der totalen Machtlosigkeit ziemlich belastet. Dadurch, dass sie jederzeit bereit ist, die Beziehung zu verlassen, mir diese aber viel bedeutet, bin ich prinzipiell immer im Nachteil, eben, hilf- und machtlos.


    Durch diese Konstellation hat sie immer die Macht auf ihrer Seite und mein einziger Handlungsspielraum ist aushalten und hoffen (auf eine Rückkehr) oder selbst abzuschliessen. Das wäre dann die einzige Grenze, die ich ziehen kann. Beides entspricht weder meinen Wünschen noch Bedürfnissen.


    Ich lebe mein Leben weiter, achte auf mich und bin auch nicht mehr am Boden zerstört wie zu Beginn - innerlich ist es immer noch ein reissen und zerren, aber ich kann halbwegs damit umgehen. Doch ist ein nicht unerheblicher Teil meines Lebens - eben der, den sie sonst ausfüllt - von einem Tag auf den anderen nicht mehr existent. Diese Lücke kann ich natürlich nicht einfach so auffüllen, und darin bin ich dann gefangen.


    Ja, bin weiterhin ratlos.

  • Hallo dcd,
    Ich möchte dir nun einen gut gemeinten Ratschlag geben womit ich selbst sehr gute Erfahrungen gemacht habe...ich würde an deiner Stelle mir eine Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch erkrankter suchen...mitunter triffst du andere Angehörige mit denen du auf Augenhöhe reden kannst...die auch vielleicht ähnliche Probleme haben wie du...und mitunter mehr Erfahrung und auch schon weiter sind wie du mit dem Umgang Ihrer Betroffen....du solltest jetzt genau das machen was ursprünglich mal der Therapeut deiner Betroffenen Angehörigen geraten hat (vermutlich einer Selbsthilfegruppe für Borderline Betroffene)...ich denke das würde dir sehr gut tun... LG Dach

  • Hallo Dach


    Danke für den Ratschlag. Ich bin derzeit in, naja, Therapie, um meine eigenen Anteile zu bearbeiten - das hat mich einiges an Überwindung gekostet, es ist nicht ganz meine Welt, doch ich erhoffe mir daraus tiefere Einsichten über mich selbst. Ich mache gerade Schritt für Schritt.


    Noch hoffe ich darauf, dass ich hier einen besseren Einblick finde und auch, das ein regerer Austausch hier stattfinden kann - es fällt mir im Moment deutlich leichter zu schreiben, als zu reden. Ich werde mich aber mal schlau machen, was es in meiner Region für Angebote gibt.


    Lieber Gruss.

  • Hallo dcd,
    Ich denke du bist auf dem richtigen Weg....
    Gern würde ich dir noch weitere Ratschläge geben...natürlich nur wenn du magst...
    Ich denke es ist nicht übertrieben wenn ich von mir aus behaupte das ich viel Erfahrung habe im Umgang mit der Störung...
    Vielleicht möchtest du mal mit mir telefonisch Kontakt aufnehmen?
    Ich würde dir da gern weiter helfen...
    In 10,5 Jahren Beziehung mit einem BL kommt einiges zusammen und ich hätte da kein Problem mit meine Erfahrungen mit jemandem zu teilen..
    LG Dach

  • Hallo Dach,

    Danke für Dein Angebot, im Moment ist es ok. Ich bin/war ja auch bald 10 Jahre in dieser Beziehung, irgendwie habe ich noch auf einen Augenöffner gehofft, einen Weg, den ich bisher noch nicht gesehen habe - leider ist das wohl nicht möglich resp. ich habe tatsächlich auch schon alles an Variation durch, auf die ich Einfluss habe. Das ist nun meine Aufgabe und die fällt mir nicht leicht: zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann.

    Lieber Gruss