Hund zulegen Pro/Contra mit unserer Erkrankung

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich habe es geschafft das ich mein Homeoffice durchbekommen und kann demnächst pro Woche 4 Tage von daheim aus arbeiten.


    Ich träum immer schon von einer französischen Bulldogge und jetzt wäre ich dem Traum einen Schritt näher.

    ABER:

    Ich bin ja keine - unbedingt - stabile Person. Im privaten Umfeld eher sehr sprunghaft und langfristige Verpflichtungen (was Männer angeht, oder Treffen ausmachen, die in ferner Zukunft liegen) tu ich mir sehr schwer und bekomm schnell Panik und Angst.

    Anderseits denke ich das ein Hund mir viel Gutes geben kann, Struktur, nicht mehr allein, Bewegung, ich muss raus und einfach Stabilität und ich hab wieder etwas vorauf ich achten kann.

    Bin so ne kleine Mutter Theresa und mit Menschen (leider) oft auf die Schnautze geflogen. Sry, für den Ausdruck.


    Gibt es hier welche die einen Hund haben und mir ein wenig mit Ihren Erfahrungen "Hund und Borderline" helfen können.

    Ein Hund ist ein Lebewesen und das muss wohl überlegt sein.


    Vielen lieben Dank schon im Voraus.


    VG

    Tanja

  • Hallo Tanja


    Also ich muss zugeben, dass ich, als ich den Titel des Threads las, mehr als skeptisch war. Ein Tier "legt man sich nicht zu". ;)

    Aber du schreibst ja auch:


    Ein Hund ist ein Lebewesen und das muss wohl überlegt sein.

    Und dem stimme ich absolut zu.

    Zwar habe ich keinen Hund, aber drei Katzen, für die ich sorge. Sie geben mir sehr viel, eine meiner Katzen hat mir vor Jahren sogar das Leben gerettet und auch heute "retten" sie mich in gewissen Sinne jeden Tag aufs Neue.

    Aber: Man hat die "Pflicht", nach besten Wissen und Gewissen für die Tierchen zu sorgen, dass es so artgerecht wie möglich gehalten werden kann.

    Bin so ne kleine Mutter Theresa und mit Menschen (leider) oft auf die Schnautze geflogen.

    Das klingt doch schon einmal gut (bis auf das Letzte).

    Ganz wichtig ist, dass du eine Person hast, die absolut zuverlässig ist, sich im Notfall um deinen Hund zu kümmern.

    Dann finde ich, ist es Pflichtprogramm, sich vorher über die Haltung der Hunde zu informieren (ganz wichtig nicht zu vergessen die Gesundheitsaspekte wie z.B. Ernährung -->Barf, und Impfungen).


    Ich bin selbst sehr instabil und kann meine drei Katzen nur haben, weil ich einen Bruder habe, der sich im Notfall bestens um sie kümmern kann.


    Wie äussert sich deine Instabilität?


    Für mich kann ich sagen, dass meine Tiere ein Stück Balsam für meine Seele sind. Ich kann mein Gesicht in ihrem Fell vergraben, wir schlafen oft fast Nase an Nase im Bett, ich kann sie auf meinen Schoss nehmen und sie drücken, sie streicheln und verwöhnen.

  • Liebe CurlySue,

    bin neu hier, aber ich kann Dir zumindest von einem Pärchen berichten, denen es so ging. Sie war Borderlinerin und er hatte eine bipolare Störung. Ich habe selten! so herzensgute Hundeeltern erlebt. "Buddy", so der Name des Hundes, hatte das Paradies auf Erden. Beobachte mal obdachlose Menschen, wie liebevoll die mit ihren Tieren umgehen. Eher wünschen die sich Nahrung für den Hund, anstatt an sich selbst zu denken. <3 Sobald mein Leben hier wieder halbwegs in geregelten Bahnen verläuft, wird die Suche nach einem tierischen Begleiter mein erster Akt sein. Werde mir einen Hund aus dem Tierheim holen, weil dort eben die tierischen Versionen von Borderlinern leben. Hunde mit einer Geschichte und Narben in der Seele. Das klappt bestimmt gut. Also! Wenn das Euer Wunsch ist: Meinen Support habt ihr ;-)

    Herzlich

  • Liebe Tanja,


    das ist grundsätzlich eine schwere Entscheidung, die man trifft, wenn man sich zum ersten Mal ein bestimmtes Tier anschafft. Also, ich denke, das ist für jeden Menschen ein Sprung ins kalte Wasser - Erkrankung oder nicht.


    Ich denke ganz ehrlich, wenn du dir einen Hund sehr wünschst und das schon seit langer Zeit, wenn du generell sehr tierlieb bist und deine Lebensumstände nicht dagegen sprechen, warum dann eigentlich nicht?!


    Gut, ich bin mit einem Hund aufgewachsen, von daher konnte ich schon mal abschätzen, wie sehr ich an so einem Tier hängen würde, aber es war dennoch mutig, gleich mein sehr junges entsetzlich instabiles und auch verzweifeltes Erwachsenenleben mit einem zweijährigen halb erschlagenen, unglaublich gequälten Hund aus Ungarn zu bereichern.


    Er war Zeit seines Lebens der Spiegel meiner Seele, mein Ein und Alles, das erste und letzte Wesen für das ich da war, wenn sonst nichts mehr ging. Und er war der Einzige, der mich immer verstand und immer an meiner Seite war. Obwohl ihm die Tierärzte aufgrund seiner Vorgeschichte kein langes Leben prophezeit hatten, wurde er stolze 16 Jahre alt!


    Inzwischen lebt schon seit über einem Jahr sein Nachfolger, ein griechischer "Straßenlump" hier bei uns. Gerade hat er Schluckauf in seinem Körbchen, während ich das hier schreibe :-) aber ansonsten fühlt er sich recht wohl und geborgen.


    Also, prüfe dich und deine Möglichkeiten gut.


    Und wenn wider Erwarten alle Stricke reißen - man kann unter Umständen einen Hund auch in sehr gute Hände abgeben bzw. weitergeben. Auch der Tierschutz kümmert sich um gute Vermittlung. Ist jedenfalls bei uns in München so.

    Ideal ist das sicher nicht!!!

    Das ist auch für jeden tierlieben Halter eine traumatische Erfahrung.

    Aber auf jeden Fall sollte man im schlimmsten Fall einen kühlen Kopf bewahren und immer zum Wohl des Tieres handeln.


    Vermutlich wäre es aber sowieso das Letzte was du dann möchtest, dich von deinem Hund zu trennen...

  • Hallo Curly,

    ich finde es richtig toll, dass du dir Gedanken über einen tierischen Freund machst!
    Gerne teile ich dir mal unsere Erfahrungen mit.

    Wir haben uns im Dezember 2014 einen ganz kleinen Welpen geholt. Er heißt Balou, ist nun gut 2 Jahre und 8 Monate alt und in ihm steckt ein Beagle-Bordercollie Mix (mein Mann sagte damals: Mein kleiner Bordi bekommt einen Bordercollie :klatschen_2:). Der Mix ist grundsätzlich nicht sooo optimal, weil er einfach gar nicht weiß, ob er jagen oder hüten soll und das macht sich oft bemerkbar in seinem Verhalten - doch wir lieben ihn bedingungslos und ich kann mir ein Leben ohne Hund nicht mehr vorstellen!

    Damals war es so, dass ich gerade mal 30 Minuten allein sein konnte. Ich habe meinem Mann das Leben zur Hölle gemacht, er konnte nicht arbeiten gehen, in der Studienzeit ging es mir immer schlechter und die therapeutische Unterstützung war zu dem Zeitpunkt weggefallen. Also ein absolutes Chaos, zumal ich meine Oma lange gepflegt habe und sie dann natürlich auch irgendwann von dieser Welt gegangen ist. Jedenfalls hat mein Mann mehrere Arbeitsstellen verloren und wenn ich heute darüber nachdenke tut es mir unfassbar leid, ich weiß, dass ich diese seelischen Narben nie mehr gutmachen kann.

    Und wie sieht es heute aus?
    Balou ist immer an meiner Seite und gemeinsam haben wir es geschafft, dass ich mittlerweile gut 5 Stunden schaffe, allein zu bleiben. Das ist je nach Tag immernoch schwierig, aber ich kippe nicht mehr in die Suizidalität. Unser Hund hat nicht nur mir geholfen, sondern er hilft auch meinem Mann, wenn er wieder depressive Phasen hat.

    Ich muss dazu sagen, dass mir ein geregelter Ablauf immer sehr wichtig war. Nur so kann ich "überleben". Manchmal kostet es schon sehr viel Kraft, besonders in Krisensituationen, mit dem Hund rauszugehen, aber letztlich hilft es einfach. Die Natur, andere Wahrnehmungen, gezwungenermaßen Kontakt zu anderen Hundebesitzern. Aber du liebst deinen Hund und du tust es einfach.
    Mein Tag beginnt mit dem Gassigehen um 7 Uhr für 1-1,5 Stunden etwa, danach frühstücke ich etwas, beginne meinen Haushalt (Putzzwang) und erledige den Einkauf. Dann ist schon Mittag und ich gehe die nächste Runde mit Balou. Anschließend wird frisch gekocht, mit Balou gespielt/gekuschelt/ wie auch immer. Und manchmal bügel ich am Nachmittag oder erledige außerhalb noch etwas.

    Sicher ist der finanzielle Aspekt auch zu bedenken:
    Impfungen, Futterkosten, Tierarztbesuche. Aber ich sag mal so: Man kann sich auch gut mit Naturheilmitteln, sofern möglich, versorgen. Als Welpe waren wir mit Balou bei einer anderen Tierärztin und sie hat ihn nur zugepumpt mit Medikamenten (Flohschutz, Wurmkur, usw..). Seit wir gewechselt sind, steht fest: Wurmkur wird nur gemacht vor einer Impfung und auch nur dann, wenn nachgewiesen wurde, dass er Würmer in der Stuhlprobe hatt. Floh- und Zeckenschutz behandeln wir prophylaktisch mit Teebaumöl, da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.
    Balou bekommt einmal Trocken- und Nassfutter. Er ist kein guter Esser und eigentlich zu dünn, aber das liegt einfach in seiner Art. Das Futter was er bekommt, kostet zwischen 0,99€ - 1,79€ pro Dose. Aber es gibt seeeeehr viele verschiedene Sorten. Du kannst auch Barfen (Frischfleischfütterung), bloß das ist mit mehr Kosten verbunden und bedeutet auch gleichzeitig einen größeren Bedarf an Behandlungen gegen Würmer.

    Ich wünsche dir, dass du dich gut entscheiden kannst und bin mir sicher, dass dir ein treuer Freund helfen kann!
    Vor Balou habe ich mich seeeehr oft selbstverletzt, das kommt jetzt auch immer wieder nochmal vor, aber ich bin jetzt seit bereits 5 Monaten wieder "clean". Das ist schon ein langer Zeitraum.

    Bei Rückfragen melde dich gerne.

    Alles Liebe,
    Deep_Inside

    PS: Und hier ist unser Seelenverwandter <3 


    IMG-20160229-WA0014.jpg

  • Hallo CurlySue,


    schön daß Du Dir vorher darüber Gedanken machst, und Dich mitteilst.


    Ich hatte immer Hunde, und durch sie habe ich mein Verantwortungsbewusstsein fördern können.

    Es gab Zeiten, da wäre ich ohne Hund sicher böse abgeschmiert,

    und hätte mich in meinem Leben einfach treiben lassen.


    So wusste ich, wenn ich schon nicht für mich verantwortungsvoll sein kann,

    dann doch für meinen Hund, denn ER hat nicht verdient, unter meinen Unzulänglichkeiten zu leiden.


    Allerdings gebe ich zu bedenken, daß Du Dir über die Eigenschaften , des Charakters des Hundes grosse Gedanken machen solltest.

    Mein letzter Hund war ein Notfall aus meiner Stadt, hatte sogut wie kein Sozialverhalten

    und war wirklich in jeder Hinsicht eine Herausforderung.

    Ich hab ihn trotzdem genommen, weil mein Herz für Hunde aus "ungünstigen Lebensverhältnissen" schlägt.

    Ich hatte dann 4 Jahre Resozialisierung in einer Hundeschule hinter mir,

    und in der Zeit habe ich mehr als einmal alles hinwerfen wollen,

    weil meine Grenzen einfach maximal erreicht waren.

    Psychisch gesehen war das wirklich hardcore,

    aber die Verantwortung für ihn ging dann für mich doch über alles,

    und ich wollte ihm einfach ein besseres Leben bieten, was ich dann letztlich auch schaffte.


    Was ich damit sagen will, es wäre als Ersthundehalter sicherlich sinnvoll,

    darauf zu achten, daß es ein charakterlich gefestigter Hund ist,

    der Dich nicht ständig an die Grenzen bringt.

    Ein Hund, der einfach auch von der Rasse her zu Deinen Lebensumständen passt.


    LG von Nebel

  • Das klingt doch schon einmal gut (bis auf das Letzte).

    Ganz wichtig ist, dass du eine Person hast, die absolut zuverlässig ist, sich im Notfall um deinen Hund zu kümmern.

    Dann finde ich, ist es Pflichtprogramm, sich vorher über die Haltung der Hunde zu informieren (ganz wichtig nicht zu vergessen die Gesundheitsaspekte wie z.B. Ernährung -->Barf, und Impfungen).


    Darf ich fragen wie "Notfall" bei Dir aussieht bzw. wie ich mir das Vorstellen darf ?

    Was das ganze "rund um den Hund angeht" mache ich mir schon sehr lange gedanken, bzw. informieren mich über eine FB Gruppe für franz. Bulldoggen und bekomme dort auch sehr viele Erfahrungsberichte (positiv/negativ) mit).

  • Zitat


    Wie äussert sich deine Instabilität?

    Dadurch das ich keine wirklich Struktur halten kann. Das geht eine Weile gut und dann verfall ich in alte Muster und PV und durch das PV ist der nächste Tag gestrichen, da ich einfach nur fertig bin.

    Ich habe einfach noch nichts für mich gefunden, bzw. kann nicht wirklich Eigenverantwortung übernehmen, was mich runterbringt. Verseht man wie ich das meine ?

  • Erstmal vielen Dank für Deine Worte :-)

    Ja, das ist es ja, für mich, ich seh immer nur das Ende der Fahnenstange, aber nicht weiter, daß schaff ich so selten... Aber ja Du hast recht, daß wäre die letzte Option und auch gar nicht gewollt. Aber wenn ich wirklich nicht zurecht kommen würde, dann muss ich zum Wohl des Tieres handeln.

    Ich denke, aber wenn ich den kleinen Zwerg habe, dann werd ich mein letztes Hemd für ihn hergeben.

    Es ist einfach auch so daaß ich das Gefühl habe das Menschen mich einfach nicht wirklich verstehen und ich mir schwer tue mit engen Bindungen, egal ob Mann oder Freundin. Dadurch sehr einsam und ich denke durch einen Hund, wo ich Veranwortung habe, geht vieles nicht mehr so wie bisher. Da ist Struktur ein Muss und die wurde mir mehr als gut tun und dadurch (Hundeschule, Gassi gehen) würde ich auch sicherlich neue Menschen kennenlernen, wo ich sonst sehr scheu bin bzw. mich immer in den gleichen Kreisen bewege, die mir und meinem PV nicht wirklich gut tun....

    Aber trotzdem herrrscht die Angst dem Tier nicht gerecht zu werden vor...

  • Ich muss dazu sagen, dass mir ein geregelter Ablauf immer sehr wichtig war. Nur so kann ich "überleben". Manchmal kostet es schon sehr viel Kraft, besonders in Krisensituationen, mit dem Hund rauszugehen, aber letztlich hilft es einfach. Die Natur, andere Wahrnehmungen, gezwungenermaßen Kontakt zu anderen Hundebesitzern. Aber du liebst deinen Hund und du tust es einfach.


    ich weiß das ein geregelter Ablauf für mich sehr wichtig wäre, aber ich bekomme es alleine einfach nicht hin. Das mit dem "Überleben", da kann ich Dir nur zustimmen. Aber ich denke da geht man, weil man den Hund einfach liebt und er nichts dafür kann und selber tut es einem doch auch gut. Merke es ja, wenn ich es mal schaffe dann laufen zu gehen, daß mir das gut tut. Ich denk aber immer "was denken die Leut wenn ich alleine durch die Gegend lauf, einsames Ding".. Mit Hund wäre das mir auch wieder egal.

    Ich glaube mein Hund wäre für der wichtigste Skill den es nacher geben würde!

  • Ich hatte immer Hunde, und durch sie habe ich mein Verantwortungsbewusstsein fördern können.

    Es gab Zeiten, da wäre ich ohne Hund sicher böse abgeschmiert,

    und hätte mich in meinem Leben einfach treiben lassen.

    Das trifft es sehr gut, warum auch die Wahl für ein Tier. Verantwortungsbeusststein für Andere funktioniert bei mir 1a, nur nicht für mich.

    Ich möchte versuchen damit einfach mehr Struktur, Ruhe und die Einsamkeit rauszubekommen aus meinem Leben.

  • Mein Traum ist eine französische Bulldogge, ich hab die Rasse gesehen, live erlebt, mich einfach in ihr verrücktes, aber denoch ruhiges Wesen verliebt. Ich sage immer "ich in einem Hundekörper"....

    Bewusst ist mir auch das ich da "streng" sein muss, Hundeschule usw usw... Würde mir gern einen Welpen holen, wobei ich mir das gut überlegen mss, da das sicherlich Hardcore ist, wie ein Baby am Anfang... Aufstehen 2,3 in der Nacht usw...