Krisen als Chance?

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    • Krisen als Chance?

      Hallo ihr Lieben,

      Ich möchte mal das Thema aus meiner letzten Therapiestunde zur Diskussion stellen. Und zwar sprachen wir über meine letzte Woche, in der gleich zwei Krisen für Aufruhr gesorgt haben.

      Ich bin aber mit dem Fazit aus der Woche gegangen, dass Krisen auch gute Chancen für Veränderungen sind. Meine persönliche Meinung ist ja, dass man aus Dingen, die man selbst erlebt hat, am meisten und am effektivsten lernen kann.

      Als Beispiel: Wir erfuhren, dass unsere Freundin keinen Alkohol mehr trinken darf, weil dies das Risiko eines Krampfanfalls erhöht.
      In Kombination mit dem Schrecken und den Bildern, entschied sich mein Freund daraufhin, den Alkohol wegzulassen und zu entgiften.
      Auch ich habe seit diesem Vorfall keinen Alkohol mehr angerührt und überlege jetzt zweimal, ob ich etwas trinke oder nicht.

      Zweites Beispiel : Früher neigte ich in Krisen dazu, diese mit Medikamenten (auch in höheren Dosen) zu bewältigen. Nachdem eine solcher Aktionen im Krankenhaus endete, machte ich anschließend freiwillig eine stationäre Therapie. Es war die erste, in der ich nicht nur in den Stunden aktiv mitgearbeitet habe, sondern auch begonnen habe, das Gelernte außerhalb der Therapiestunden anzwenden. Diese Krise hat mir gezeigt, dass ich leben und gesund werden will.

      Wie seht ihr das? Könnt ihr Krisen im Nachhinein als lehrreich ansehen? Könnt ihr euch vorstellen, eine Krise - welcher Art auch immer - als Chance für einen Neubeginn anzusehen? Oder seht ihr nur den belastenden Anteil der Krisen?

      Gruß
      Eis
    • Ich sehe es so: Viele Menschen leiden. Aus verschiedenen Gründen. Sehr oft, wahrscheinlich in den allermeisten Fällen, geht es um Ereignisse, Erlebnisse aus der Kindheit.
      Wurde man geliebt? Musste man Strafe und Bedrohungen, Ablehnung erleben?
      Musste man, um zu überleben, sich selbst verleugnen lernen? Usw.?

      Vieles davon wird in den Menschen abgespalten, verdrängt - und wirkt fortan bis zum Lebensende weiter oder jedenfalls sehr lange.
      Gerade dadurch, dass das, was mit den Menschen passiert ist, verdrängt und/oder abgespalten wird, führt ja dazu, dass er eine enorme Wirkung entfaltet.

      Eine Krise kann eine Möglichkeit sein, etwas aus dem Verborgenen hervorzuholen.
      Das ist aber kein Automatismus.
      Nicht selten läuft es ja so, dass jemand bei einer Krise in die Klinik geht, dort einige Wochen Gespräche führt, die aber in der kurzen Zeit oft nicht das eigentliche Problem berühren, vielleicht bekommt man auch Medikamente - und dann geht es "irgendwie" weiter bis zur nächsten Krise. Das wiederholt sich mit der einen oder anderen Variation über viele Jahre, die Leute werden dann immer verzweifelter, verlieren die Hoffnung, Suizidgedanken...

      Eine Krise bietet die Chance, das Ganze zu durchbrechen.

      Was der Mensch braucht, ist, die eigene Wahrheit zu finden.
      Eine Krise kann den Weg dazu ebnen.
      Aber sie kann auch eine ungenutzte Chance bleiben.
    • Hallo Eis :)

      Also ich finde, du hast da ein ziemlich gutes thema angesprochen, der einen guten Gedankengang beinhaltet. Dafür mag ich dir mal danken. Ich denke ja, solche Fragestellungen können oft den Blickwinkel verändern, so in die Richtung: "Oh, so habe ich das noch gar nicht gesehen".

      Jede Krise ist auf ihre Art und Weise heftig. Man droht an ihnen zu zerbrechen und in solchen Momenten erscheint alles irgendwie auswegslos. Und ich glaube auch, wir können noch so viel Therapie machen, wie wir wollen - ganz ausbleiben werden sie sicher nicht. Man kann nur lernen, damit besser umzugehen.
      Und da sind wir ja eigentlich schon nahe am Thema dran.

      Ich denke auch, Krisen können gut eine Chance sein.
      Gerade vor 2 Monaten hatte ich eine enorme Krise und war ziemlich am Ende - Grund: Die Trennung vom Ex. Das Schlimme an der Sache war für mich, dass ich nicht unschuldig dran war, dass es so kam. Ok, die Schuld-Frage sei jetzt mal dahin gestellt, aber für mich war es jedenfalls so. Ist eine lange Geschichte.
      Aber dennoch habe ich mein Fehlverhalten erkannt und kann damit zukünftig auch arbeiten, so in die Richtung "ich muss aufpassen, dass es nicht wieder passiert". Das hat ja nun auch wieder eine neue, weitere Erfahrung mit sich gebracht, woraus sich für die Zukunft weitere Chancen ergeben können.

      Dies muss aber nicht unbedingt sein. Nicht jede Krise ist mit Verantwortung dafür verbunden. Wenn z.B. das geliebte Haustier von uns geht oder man urplötzlich den Job verliert etc. pp. - dann kann da wirklich niemand was für. Hoffe, man versteht, was ich meine.

      Ich für meinen Teil versuche schon irgendwie, zeitnah und effektiv aus einer Krise rauszukommen. Das mit der Chance hat mir selbst jetzt auch einen guten Denkanstoß gegeben. Jedenfalls in der Hinsicht, dass man es auch mal so, im positiven Blickwinkel, betrachten könnte. :)
      Liebe Grüße sendet euch Luna

      :elefant blau: :elefant orange: :elefant blau:
    • Wenn man weiß, dass das Verhalten in eine Krise münden kann oder münden wird, sollte man es vorzeitig ändern aber davor folgt die Verdrängung während des Weitermachens oder die Verschiebung oder die Projektion. Manche rationalisieren und sagen, dass ihnen selbst bestimmte Ereignisse nicht widerfahren.

      Falls ein fehlangepasstes Verhalten zur Krise geführt hat, sollte man es modifizieren oder bleiben lassen und die Bewältigung als Chance betrachten. Dazu fällt mir der Begriff "Coping-Stategie" ein. Viele denken, dass man den meisten Situationen etwas Positives abgewinnen kann. Oder anders ausgedrückt, wenn eine Türe geschlossen wird, wird ein Fenster geöffnet ...
    • Krise als Chance?
      Ja definitiv!
      Das positive an einer Krise ist, dass es nicht so weitergeht wie bisher und man was ändern MUSS.
      Auch wenn sich das leider nicht angenehm anfühlt und man das gerne vermeiden möchte und am liebsten gleich hinter sich hätte ist es positiv!

      Erst wenn der Leidensdruck größer als die Angst vor/Widerstand gegen Veränderungen ist kann es in der Therapie vorrangehen da man GEZWUNGEN ist, neue Wege zu beschreiten und alte Anschauungen, die einem nicht mehr dienlich sind, aufzugeben.

      Wie gesagt: kann eine Riesenchance sein wenn man es richtig angeht - muss aber nicht...