Ich bin widerlich

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    • Ich bin widerlich

      Momentan weiss ich nicht mehr weiter und verstehe mich selbst nicht mehr.

      Ich bin seit drei Wochen in einer neuen Partnerschaft.

      Er hilft mir wo er nur kann. Sei es im Haushalt, Ausflüge, in der Erziehung, Führerschein usw. Überall wo er nur kann.

      Ich aber stoße ihn immer wie mehr weg, habe schlechte Laune und alles nervt mich an ihm.

      Wenn er mir den Einkauf weg räumt, ist das nicht in Ordnung.
      Wenn er kuscheln will, ziehe ich mich zurück.
      Bei allem was er sagt, fühle ich mich bevormundet und gehe auf die Barrikaden.

      Wenn er weg ist vermisse ich ihn, wenn er da ist, ist es mir zuviel.

      Es tut mir so leid dass ich ihn so behandel. Warum ich das mache? Ich weiss es nicht.
      Noch nie habe ich jemanden so schrecklich behandelt und ich habe ein gewaltiges Schuldgefühl.

      Gerne möchte ich die Nähe und die Hilfe von ihm zulassen. Gerne möchte ich die Gefühle zeigen die ich habe. Aber irgendetwas blockiert mich innerlich.

      Und ich weiss nicht wie ich dem entfliehen kann.

      Ich bin am verzweifeln.
    • So etwas passiert häufig.

      Meistens liegt es daran, dass man es sich selbst nicht gestattet, sein eigenes, tief verborgenes Leid, zuzulassen.
      Solange dieses Leiden verborgen bleibt, tut man Dinge, die man am liebsten nicht tun würde, aber man tut sie dann doch immer und immer wieder.

      Manche Menschen nehmen sich fest vor, es nicht wieder zu tun, versprechen sich selbst und dem Partner oder der Partnerin, sich zu bessern - und dann passiert es doch wieder und wieder.

      Das eigene Leiden zuzulassen. Das sagt sich leicht, ist aber nicht einfach.
      Tränen, Traurigkeit, Zusammenbruch, Hilflosigkeit, Krise, Angst und Ängste, Kontrollverlust - man versucht solche Gefühle oder Zustände zu vermeiden und schafft dadurch erst recht die Bedingungen, bei denen sich solches wiederholt.

      Manchmal liegt dahinter auch der Umstand, dass sich nicht jeder helfen lassen will. Man will "es selber packen". Man will nicht auf andere angewiesen sein. Manche wollen nicht dankbar sein, weil sie das mit Abhängigkeit verwechseln.

      Andere sehen in dem Leiden, vor dem sie fliehen, eine Schwäche

      Und und und..

      Das verborgene Leid muss zugelassen werden, um lebendiger zu werden.
    • Das kommt mir sehr bekannt vor.

      Nur so geht es mir mit meiner eigenen Familie, Bruder und Eltern. Sie denken ich hasse sie oder will ihnen mit Absicht weh tun. Aber das will ich doch gar nicht. Wenn ich es probiere zu ändern gelinkt es mir ein paar Tage aber dann verfalle ich in das alte Muster zurück. Dadurch haben sie das Gefühl ich will an meiner Situation gar nichts ändern.

      Wie kann man den Menschen sagen und zeigen, dass man sie lieb hat und sich ändern will?

      Ich verberge sehr gut, dass wie ich mich fühle um meiner Familie auch nicht weh zu tun.
    • Nur um sicher zu gehen, mach vllt mal einen Realitätscheck.

      Bevormundet zu werden kann wirklich nervig und abstoßend sein. Tut er das wirklich? Ist das Gefühl vielleicht berechtigt? Versuche mal, von außen zu betrachten, ob er dich wirklich bevormundet oder ob dir dieses Gefühl vorgegaukelt wird von der Angst, der Angst vor Nähe?

      Liebst du ihn wirklich, sind deine Gefühle echt? Stört dich das was dich an ihm stört wirlich oder nicht?

      Nur mal so um zu schauen, woher dieser Drang ihn wegzustoßen kommt. Wenn du rausgefunden hast woran es liegt, kannst du vielleicht vorsichtig mit ihm darüber sprechen und dich erklären. Vielleicht könnt ihr so Zeichen oder ein Codewort ausmachen, wann es dir zuviel ist und du Distanz möchtest. So kann er dann gehen, ohne dass du Streit anfangen oder gemein sein musst. Mmh nur so als Idee...
    • Hallo...

      Hmh...mir kommt das auch ziemlich bekannt vor.
      Und so zu handeln verursacht unheimlich viel Leid. Beim Gegenüber. Und am Ende bei sich selbst.
      Erst recht dann, wenn das Gegenüber seine Grenzen wahrnimmt und danach handelt.

      Es gibt sicher viele Gründe, wieso man so handelt.
      Mein erster Gedanke: Überforderung. Unzufriedenheit.
      Überforderung mit der Liebe, der Zuwendung.
      Unzufriedenheit mit sich selbst.

      Wie oft seht ihr euch denn? Häufig? Weniger häufig?
      Und welche Situationen sind es, die bei dir das Gefühl der Bevormundung hervor bringen?
      Ist diese Bevormundung real - oder ist es nur ein Gefühl?
      Ein Realitätscheck ist da sicher hilfreich.
      Und auch ein Gespräch.
      Und es ist auch sehr hilfreich, wenn man sich selbst bewusst macht, was man wirklich braucht.
      Zeit für sich.
      Klare Grenzen.

      Eure Beziehung ist ja noch sehr frisch.
      Ich wünsche dir, dass du diesen Kreis durchbrechen kannst.
    • Danke für die Antworten.

      Ich kann es selber nicht genau beschreiben.
      Ich kann nur zwei Beziehungen zum Vergleich nehmen, da der Rest nichts ernstes war.
      Vergleichen sollte man nicht. Aber ich kann so den Unterschied besser erkennen.

      Vorgängig konnte ich es mir in den zwei Beziehungen vorstellen mit dem Partner zusammen zu ziehen. Der Wunsch war da. Hier aber, sträubt sich was in mir.

      Bei den anderen war der Wunsch für Familienplanung uns Heiraten da (oder zumindest die Träumerei davon) und auch hier merke ich, dass sich was sträubt.

      Früher als ein Partner zu Besuch war, hat man gefragt ob es ok ist wenn was zu Essen genommen wird. Hier ist es zur Gewohnheit geworden.

      Sonst alles andere wie Ausflüge, einander Helfen, das ist alles gleich.

      Aber es ist weniger intensiv und ich kann es mir nicht erklären.

      Früher wenn mich was gestört hat, konnte ich darüber sprechen. Hier werde ich gleich sauer und lasse ihn das auch spüren.

      Wiederum habe ich auch bemerkt dass ich immerwieder an der Vergangenheit rum Trauer. Egal wie schlimm sie war aber mein Kopf zeigt mir nur die schönen Sachen bis ich dann von der jeweiligen Person wieder vom Negativen überzeugt werde.

      Bei den anderen zwei Beziehungen konnte ich mich unterordnen und habe meinen Platz gefunden.
      Bei ihm habe ich das Gefühl ich bin ihm überlegen, obwohl das bestimmt nicht so ist. Aber auch da abe ich die Angst dass mir das meinen Kopf vorgaukelt weil er drei Jahre jünger ist.

      Langsam denke ich wirklich mit mir ist es hoffnungslos.
    • Das ist eben das bekannte Nähe Distanz Problem. Du fühlst dich dann wohl in der Beziehung so eingenommen, dass du Distanz aufbaust. Aus der Distanz heraus kommt aber eben der Wunsch nach Nähe hoch und dann vermisst du ihn!
      Kommt es dann wieder zur Nähe, wertest du ihn ab, um Distanz zu erhalten.
      Bist du denn in einer Therapie?
      Wenn du an dir arbeitest, wirst du und dein Partner es viel schöner miteinander haben.

      Liebe Grüsse
    • Normalerweise bin ich in einer Therapie.
      Aber ich habe seit 3 Wochen eine Pause weil ich privat sehr viel um die Ohren hatte.

      Könntest du mir vielleicht verraten was du darunter verstehst; daran zu arbeiten?

      Momentan weiss ich keinen Schritt nach vorne sondern nur 100 zurück. Das ist sehr belastend.
    • Naja,

      Ich weiss ja nicht deine Diagnose, aber ich gehe davon aus, dass du borderline hast oder zumindest die Symptomatik, sonst hättest du ja dieses Forum nicht aufgesucht ;)
      Mit einer Therapie kann man sowas gut in den Griff bekommen. Man kann es schaffen ganz ohne Symptome zu leben, aber heilen kann man das nie!
      In der Medizin spricht man erst von Heilung, wenn du Ursache bekämpft ist. Das kann man bei einer Persönlichkeitsstörung nicht, da die Ursachen in der Kindheit liegen und das erlebte nicht Rückgängig gemacht werden kann.
      Sprich doch deinen Therapeut auf das Verhalten an.
      Aber ich denke es wird viel Zeit brauchen.
    • Das ist gerade das was mich erschreckt.

      Vorgängig in den Beziehungen hatte ich sowas nicht.
      Nicht so extrem.

      Und ihm gegenüber tut mir das auch schrecklich leid.

      Wie gerne möchte ich das ändern.
    • Also ich hab jetzt nicht alles gelesen, aber vlt. ist er ja überfürsorglich und es geht schon über normale Hilfsbereitschaft hinaus? und das triggert vlt. bei dir etwas an? schau mal, ob bei deinen Eltern ne ähnliche Beziehung war oder in deiner näheren Umgebung? wenn jemand einem alles abnimmt und sich extrem an den Bedürfnissen des anderen orientiert, dann löst sich auch die Persönlichkeit desjenigen etwas auf und das kann einen auch verrückt machen... und es wird vlt. auch mehr Nähe erzeugt, was wiederum ehr schlecht ist, weil man dann das Gefühl hat es nicht mehr selbst regulieren zu können und dann fängt man an komisch zu werden um Abstand zu bekommen... vlt. findest du hier ja ein bissel was von dir wieder?