Heilerziehungspfleger als Borderliner?

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    • Heilerziehungspfleger als Borderliner?

      Liebe Forenmäuse und -ratten,
      so langsam stellt sich mir die Frage, was ich wohl mit meinem Leben anstellen soll. Was mich schon immer interessiert, ist die Kinder- und Jugend-Psychiatrie, fragt mich nicht warum. Gleichzeitig interessiere ich mich für jegliche künstlerische Ansätze, vielleicht wäre also auch sowas in Richtung künstlerischer Therapeut eine Idee. Auf jeden Fall aber würde ich gerne eine pflegerische Ausbildung machen, weil mir danach einfach viele Wege offenstehen, in die ich gern gehen möchte. Besonders interessiert mich dabei wie erwähnt die Betreuung in der Psychiatrie, gerade was Kinder und Jugendliche angeht. Allgemeine Alten- und Krankenpflege interessiert mich wiederum eher weniger.
      Ich habe bereits Erfahrung in einigen Arbeitsstellen gesammelt und habe mich dabei normaler Weise nicht von meiner eigenen Krankheit aus der Ruhe bringen lassen und weiß, was Professionalität und Trennung von Privatem und Arbeit heißt.
      Was glaubt ihr, kann man trotz Borderline in einen pflegerischen Beruf gehen? Ist eine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin das Richtige für meine Wünsche? Arbeitet ihr vielleicht selbst in diesem Bereich?
      Ich freu mich auf eure Antworten,
      Josephine
      "Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
      Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein."
      Rainer Maria Rilke
    • Hey @Josephine

      also ich denke, dass man gut in Sozialen Berufen arbeiten kann, auch mit BL. Ich komme nur mit dem Schichtdienst nicht klar, zumindest nicht, wenn es nicht mein absoluter Traumberuf ist. Und das war Krankenschwester nicht. Mein absoluter Traum wäre es im Rettungsdienst mitzufahren.

      Hmm, soweit ich weiß, musst du um in der Betreuung sprich in der Pflege in der KJP zu arbeiten, erstmal eine Pflegerische Ausbildung machen und dann die Fachkrankenschwester für Psychiatrie. Jedoch, wenn du Ergo- oder Kunsttherapeutin machst, dann kannst du auch in der KJP arbeiten soweit ich weiß.

      Ich wünsche dir viel Glück bei deiner Entscheidung und auch, egal, was du machst, alles Gute!

      Lg und Danke für alles was du für mich machst. (Ist zwar OT, aber ich wollte es mal sagen) :)

      ajnos
    • Hi Josephine,

      ich denke auch, dass es kein Problem sein muss mit BL in einem solchen Beruf zu arbeiten. Du müsstest Dich halt nur entscheiden, ob Du 3 Jahre KPF-Ausbildung und dann Fachpflegerin machen möchtest oder eher Richtung künstlerische Therapeutin, Ergotherapie oder vllt. Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeiten möchtest.
      Als Fachpflegerin hast Du halt intensiven Patientenkontakt und in den anderen Bereichen mehr über längere Zeiträume verteilt. Da könntest Du Dir überlegen ob Du eher kurzzeitig intensiv helfen magst, wenn die Menschen stationär sind oder eher langfristig aber nicht ganz so intensiv. Heilerziehungspflegerin ist natürlich auch klasse, das wäre so ein Mittelding zwischen langfristig und intensiv.

      Es freut mich zu hören, dass ein lieber Mensch wie Du, diese Richtung einschlagen möchte. Denn grade in der psychischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen besteht ein Riesengroßer Bedarf! Besonders an lieben/verständnisvollen Menschen!
      Was ich jetzt mitbekommen habe in den letzten Monaten ist für mich fast unglaublich... Die Belastungen durch solche Dinge wie: Anfeindungen bis hin zum Extrem-Mobbing, fehlendes Verständnis/Interesse der Eltern, Konsumüberflutung u.s.w........... sind so viel extremer geworden, dass es mir um die aufwachsende Generation Angst und Bange wird...

      Für mich hat sich durch alles was ich letzte Zeit durchgemacht habe schon herauskristallisiert, dass ich im Endeffekt auch in dieser Schiene tätig sein möchte. Wahrscheinlich als HP mit Hauptaugenmerk auf der psychischen Unterstützung von jungen Menschen und Kindern. Muss nur erstmal 2017 die Prüfung schaffen :)

      LG und viel Kraft und Motivation, welchen Weg Du auch einschlägst. <3
      Was heist eigentlich "stark" sein? Niemals aufgeben oder es schaffen, dass keiner merkt, wie kaputt man eigentlich ist ? Licht & Liebe <3
    • Einige Universitäten bieten Weiterbildungsmöglichkeiten wie eine zum Sexualtherapeuten ohne Voraussetzung an, kosten jedoch richtig Schotter. Nobody's perfect. Es gibt viele Therapeuten, die eine Persönlichkeitsstörung haben. Die anderen haben sicher eine mehr oder weniger starke Ausprägung, die in eine solche Richtung geht. Problematisch wird es dann, wenn du aufgrund von Impulsivität, den Beziehungsaufbau oder die Psychoedukation gefährden solltest. Sehr starke Empathie ist auch nicht immer das beste. Mit Belastungen muss man gut umgehen können. Wäre ich Lehrer geworden, hätte ich das eine oder andere anwenden können, was ich so lese. So ist es aber allemal interessant, Wissen zu haben.

      Ich würde dir auf alle Fälle empfehlen, Träume zu verwirklichen, dann aber nicht zu wechselhaft zu sein, das nach Möglichkeit durchzuziehen. Es kann sein, dass du dir eine Finanzierung überlegen musst und Anstellungs-Aussichten sollten nicht zu sehr ausgeblendet werden.
    • Hi Josephine,
      Ich stimme auch allen anderen zu, die schon vor mir geantwortet haben. Ich habe auch Borderline und mache gerade eine Ausbildung als Ergotherapeutin. Ich finde, dass gerade wir Borderliner gut dafür geeignet sind in sozialen Berufen zu arbeiten. Schließlich besitzen wir ja auch ein großes Einfühlungsvermögen :) Außerdem haben wir ja auch schon viel Erfahrung darin gemacht, schwierige Situationen zu bewältigen und können daher oft auch gute Ratschläge geben.

      Es gibt ein paar Dinge bei denen ich merke, dass ich aufpassen muss. Es gibt zum Beispiel Patienten deren Schicksal mich sehr berühren. Ich würde dann gerne sofort deren komplette Welt ändern und sie einpacken und mit nach Hause nehmen. Da muss ich mich manchmal daran erinnern, dass ich eben keine Mitpatientin bin, sondern in diesem Rahmen eine andere Funktion habe, nämlich die der Therapeutin und das ist manchmal schwer. Man sollte darauf achten, dass man Menschen hat mit denen man sich dann austauschen kann, um zu vermeiden, dass man irgendwann überfordert ist. ich finde, dass ist eins der wichtigsten Dinge überhaupt :)

      Ich denke das ist wichtig aber wie gesagt glaube ich, dass wir sehr gut sind in sozialen Berufen und dass wir uns nicht davon entmutigen lassen sollten. Klar, ist es manchmal schwer, aber auch wir sollten am Ende einen Beruf wählen, der uns Spaß macht und bei dem wir uns vorstellen könnten ihn länger auszuüben :)

      Liebe Grüße und viel Motivation :) :)
    • hallo, ich bin Heilerziehungspflegerin (HEP) und arbeite in einer KJPP. Ich komme trotz eigener psychischer Erkrankung gut zurrecht un die Arbeit macht mit Spass. Aufgrund dessen, dass ich es selbst nicht immer einfacher hatte, kann ich glaube ich unserer Patienten besser verstehen als so manch andere. Wichtig ist aber auch, dass ich mich von meinen Patienten gut abgrenzen kann.

      soweit ich weiß werden aber nicht in jeder KJPP HEP eingestellt. Was ich sehr schade finde, da in der Ausbildung pflegerische und pädagogische Kenntnisse vermittelt werden. Habe direkt nach der Ausbildung in der KJPP angefangen und habe mich theoretisch wie praktisch ganz gut vorbereitet gefühlt. In der Ausbildung habe ich überwiegend mit erwachsenen Menschen mit geistiger und oder körperlicher Behinderung und teilweise psychisch er Erkrankung gearbeitet. Die Arbeit mit Kindern sagt mir insgesamt mehr zu.

      In meinen Team arbeiten dann noch Erzieher, Jugend- und Heimerzieher, Krankenpfleger und Kinderkrankenpfleger. Nur mal so für dich als Alternative zum HEP.

      Und dann gibt es noch die Therapeuten wie Musik, Ergo, Kunst usw. Die holen dann die einzelnen Patienten für die Therapiestunden zu sich. Sehen den einzelnen dann so ein höchsten 2 mal die Woche.

      Wenn du Fragen hast, kannst du mir gerne schreiben
    • Hey Josephine,

      ich werde Ärztin und habe viele Kollegen in der Psychatrie und Psychosomatik kennengelern.
      Ich kann dir sagen das bisher JEDER den ich dort getroffen habe in dieser Fachrichtung gelandet ist, genau
      deshalb weil er selber einmal in seinem Leben Kontakt mit einer psychiatrischen Erkrankung in irgendeiner Weise hatte.

      ,,Ohne einen Grund interessiert man sich nunmal nicht für dieses Fach." sagte mir einmal ein Psychologe in einer Ambulanz.
      Da ist wirklich was dran und ich denke das es auch richtig so ist.
      Klar muss man selber stabil sein und gelernt haben mit seiner Erkrankung umgehen zu können, aber dann ist man
      in meinen Augen idealer Ansprechpartner für alle die das noch nicht können und auf dem Weg dahin sind.

      Ich habe selber einmal überlegt ob Facharzt für Psychiatrie was für mich wäre, bin aber noch laaaaaange nicht soweit mich
      im Griff zu haben und von Patienten abgrenzen zu können.

      Aber wir können das und sind als Stimmungsantennen und stark schwingungsfähige Personen sogar ideal dafür :good
      (wenn wir uns im Griff haben ;) )
      ▂▃▄▅▆▇█▓▒░ Never give up ░▒▓█▇▆▅▄▃▂
    • Danke für eure ausführlichen und bereichernden Antworten! Jetzt habe ich ein bisschen mehr Einblick und fühle mich schonmal weniger voreingenommen. Ihr habt Recht, die Sensibilität ist sicherlich ein Vorteil, auch wenn man darum wissen sollte, wie sie einzusetzen und -zugrenzen ist. Ich werde sicherlich in diese Richtung als zweite Ausbildung gehen und mich zumindest darin ausprobieren.
      Danke für eure Worte! <3
      "Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
      Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein."
      Rainer Maria Rilke
    • Hallo Joseohine.

      Also ich kann mich da vielen meiner "Vorrednern" nur anschließen..Denke gerade Menschen die sowas Selbst erlebt haben sind für solche Berufe wie gemacht...natürlich muss man auch immer Selbstfürsorge betreiben und manche Sachen nicht zu sehr an sich heran lassen. Ist manchmal ein schwieriger Spagat aber denke du musst dich selbst sicher und wohlfühlen mit deiner Entscheidung. Spreche da aus Erfahrung...

      Viel Glück uns Erfolg bei deinem Tun
      Miriam
    • Hallo Josephine,

      ich bin Erzieherin in einer Krippe (0-3 Jahre) und kann sagen, dass ich meinen Job wirklich gerne mache und ich denke auch gut.
      Dennoch ist es sehr anspruchsvoll gerade für Menschen wie uns- viel Verantwortung, super viel Stress, Hektik, es ist laut etc etc.
      Ich habe für mich herausgefunden, dass ich nicht Vollzeit arbeiten kann, gerade wegen den oben genannten Herausforderungen.
      Das wäre im Büro vielleicht anders, weil ich mir da mehr Ruhe zwischendurch gönnen könnte. Als Erzieherin muss ich immer zu 100% voll da sein, gerade bei den Kleinen. Ich arbeite 30 Std. die Woche und in schlechten Zeiten ist das schon manchmal zuviel- aber das liegt vielleicht an meinem derzeitigen Zustand. Ansonsten wurde ich immer als sehr sensibel für die Kleinen eingestuft von Kolleginnen und mir wird auch eine gute Beobachtungsgabe nachgesagt und eine ruhige schöne Art (in mir drin siehts dann meistens anders aus).
      Also ich denke schon, dass wir gute Voraussetzungen für diese Berufe haben, uns jedoch lernen müssen abzugrenzen.

      Viel Erfolg bei deiner Entscheidung,

      liebe Grüße
      Unvergessen
      Du bist das Licht in meinem Leben. Wir freuen uns auf dich. :love, love: :schlafen: