Andere Sichtweisen erbeten :)

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    • Andere Sichtweisen erbeten :)

      Hallo, liebes Forum.

      Teil 1

      Ich bin derzeit zwischen meinen eigenen Gefühlen hin und her gerissen. Ich versuche, die Situation so "kurz" wie möglich zu schildern.

      Ich, w, war 2 Mal in einem Krankenhaus auf der selben Station. Den genauen Zeitabstand habe ich nicht mehr im Kopf, aber der letzte der beiden Aufenthalte war im Frühjahr 2015.

      Schon beim ersten Aufenthalt ist mir ein Pfleger in meinem Alter aufgefallen, der mir sehr imponiert hätte. Ich kann dieses Gefühl beim ersten "Sich gegenüber Stehen" nicht in Worte fassen. Er stand damals schon vor mir, als hätte der Blitz eingeschlagen. Ich war damals sehr mit mir selbst "beschäftigt" und habe mich nicht sonderlich für die Pfleger oder Mitpatienten interessiert, zudem war ich damals in einer längeren Beziehung. Es kam gar nicht in Frage, ihn mir anzusehen, alleine schon wegen der Beziehung. Trotzdem fand ich ihn unfassbar toll. Er hatte etwas Vertrautes im Verhalten mir gegenüber, ich kann es einfach nicht beschreiben. So etwas Selbstverständliches, als würde man sich ewig kennen.

      Beim zweiten Krankenhausaufenthalt verlor ich meine Standhaftigkeit. Er war der Aufnahmepfleger und erklärte, dass mir am folgenden Morgen eine Blutabnahme blühen würde .. ich habe 2 extrem schlechte Erfahrungen im Bezug auf Hygiene bei Blutabnahmen an mir selber gemacht und ihm meine Angst mitgeteilt (es ging um fehlende Desinfektion vor dem Stich). Er meinte, dass er es so einrichten würde, dass er das übernimmt (am Morgen- Ende des Nachtdienstes) und dem war dann auch so (er hatte mir extra meine Tablette früher ans Bett gebracht, ich hätte verpennt). Ich hatte damals das Gefühl, als hätte er meine Nähe gesucht. Er meinte, er würde die Stelle für den Pieks ganz großflächig desinfizieren, damit ich mich nicht sorgen muss. Großflächig war zugegeben sehr untertrieben. Wir haben uns gut unterhalten und er hat damals den kompletten Arm von oben bis unten abgeputzt. Ich hatte bei ihm auch eine leichte Röte im Gesicht bemerkt, die hatte er aber fast jedes Mal, wenn wir uns gegenüber standen. Er ist generell aber eher der ruhigere, herzlichere Typ Mensch, vllt. auch einfach schüchtern.

      Von dem Tag an war es komplett um mich geschehen..

      Es gab dann viele Situationen, die mich in meiner Annahme bestätigten, dass er Interesse an mir hat. Wenn ich außerhalb der Station saß, und er mich von innen durch die Glastüre sehen konnte, lief er mehrmals relativ ziellos neben der Türe hin und her. Er blickte selten in seine Laufrichtung, sondern immer zu mir ins außer mir leere Treppenhaus. Wenn er bemerkte, dass ich sah, dass er zu mir rüber sieht, sah er immer schnell weg, als wäre es ihm unangenehm.
    • Teil 2

      Er hat auch oft das Gespräch mit mir gesucht, und ich habe ihm gegenüber zwar freundlich reagiert, aber sehr stark abgeblockt, da es mir unangenehm war, mit ihm über meine Erkrankung zu sprechen.

      Ich habe mich jedes Mal so sehr gefreut, ihn zu sehen, wenn er da war. Ich habe mich selten zu jemandem so sehr hingezogen gefühlt, möchte sogar behaupten, nie so sehr zu jemand anderem, als ihm. Ich fühle mich heute noch wie ein verliebtes Teenie Gör, wenn ich an ihn denke.

      Ich habe mich dann einem anderen Pfleger anvertraut und ihm erzählt, dass ich für jemanden auf der Station Gefühle habe. Der Pfleger war schon wesentlich älter, aber anfangs sehr aufgeschlossen dem Thema gegenüber. Als ich dann klar Schiff gemacht habe, um welchen Pfleger es geht, wirkte er irgendwie entsetzt und meinte, dass das gar nicht geht. Ich habe es natürlich hinterfragt. Für mich klang seine Reaktion erst, als hätte der, der mir gefällt Frau und Kinder... Der ältere Pfleger hat sich dann aber mehr auf die Arbeitsvorschriften des Krankenhauses berufen... Dass ein Pfleger keinen privaten Kontakt zu einem Patienten haben darf und den Job verlieren könnte. Er hat mir auch empfohlen, den anderen Pfleger nicht auf das Thema anzusprechen..

      Ich habe es erst so hingenommen, bin aber mit der Situation nicht mehr klar gekommen und habe einen Brief verfasst, um mit dem Thema abzuschließen. Ich habe extrem lange hin und her überlegt, und mich aufgrund der Intensität meiner Gefühle dafür entschieden, mit dem Pfleger, den es betrifft, offen darüber zu sprechen. Ich habe etwas gemacht, was ich sonst kein einziges Mal gewagt habe. Ich habe ihn in mein Zimmer gebeten und ihm gesagt, wie ich für ihn empfinde.. Ich habe ihn auch den Brief lesen lassen, damit er versteht, wie ich genau für ihn fühle.. Er schien baff und meinte dann ganz kurz und knapp, dass er kein Interesse hätte. Er hat sich nicht auf Familie, Beziehung oder Sonstiges als Eigenschutz bezogen, sondern sich Zeit für den Brief genommen und ist auf Details eingegangen. Dass ich seine Stimme toll finde. Er meinte, dass er seine eigene Stimme nicht gut findet, und war etwas erstaunt und auch nachdenklich. Wir hatten kein Glück, unser Gespräch wurde mehrmals durch andere unterbrochen, die die angespannte Situation vermutlich mitbekommen haben. Er hat 2 Anrufe erhalten, den ersten hat er ignoriert und den zweiten dann entgegen genommen. Jemand hat nach der Nummer eines Kollegen gefragt und er hat eine Nummer durchgegeben. Ein paar Sekunden später bimmelte sein Telefon erneut. Er ging ran und entschuldigte sich peinlich berührt dafür, dass er versehentlich seine eigene Nummer durchgegeben hatte. Dann haben wir aufgegeben zu sprechen, weil jemand auf mich vor dem Zimmer wartete ....
    • Teil 3

      Beim nächsten seiner Nachtdienste blieb ich wach, bis nach Mitternacht, um nochmal das Gespräch zu ihm zu suchen. Er hat sich permanent um andere Patienten gekümmert, normalerweise hat er eher im Stützpunkt gearbeitet und gewartet, dass die Patienten zu ihm kommen. Dieses mal kam mir vor, als hätte er mich bewusst ganz hinten angestellt. Es gab kaum die Möglichkeit, auf ihn zu zu gehen, da er fast permanent in Gesprächen war. Als nach Mitternacht alle Patienten in den Zimmern waren, und nur noch wir beide da waren, ging er raus auf den Raucher Balkon. Er war sehr lange draußen, atmete tief ein und kam dann beim Reingehen frontal auf mich zu. Er hatte versucht, mit mir zu sprechen, hatte momentan aber direkt einen Frosch im Hals. Er wollte wissen, ob alles ok ist, und warum ich nicht schlafen gehe. Ich saß den ganzen Abend alleine an einem Tisch und habe vor mich hin gezeichnet, um ihm die Möglichkeit zu geben, von sich aus auf mich zu zu gehen. In dem Moment konnte ich nicht ehrlich zu ihm sein, und habe die schlaflose Nacht auf die Sorge um meine tatsächlich kranke Katze geschoben. Ich wusste, dass ich sein Nein zu akzeptieren habe, und wollte nicht, dass er weiß, dass ich noch Hoffnung hatte. Nach dem relativ kurzen Gespräch habe ich noch ein Bisschen gewartet und dann die Zeichnung zerknüllt und in den Papierkorb geworfen. Ich weiss, dass das ne doofe Aktion war, aber ich musste wissen, wie er tatsächlich zu mir steht und habe einen Zeitpunkt abgewartet, bis er es sehen konnte, was mit dem Papier passiert. Ich habe so getan, als würde ich nicht auf ihn achten und bin aufs Zimmer gegangen. Ein wenig später habe ich mir noch kalten Tee geholt und in den selben Mülleimer beim Vorübergehen einen Blick geworfen. Das Papier war nicht mehr drin.

      Tage darauf haben wir uns fast unbewusst oder vllt auch bewusst ignoriert. Meine Zimmerkollegin hatte dann einen epilepsieähnlichen Anfall, der die anderen Pfleger komplett kalt gelassen hat. Ich habe JEDEN mehrmals um Hilfe gebeten, aber niemand wollte sich Zeit nehmen. Dann kam mir der eine Pfleger (schon für die Heimfahrt umgezogen) entgegen und ich habe ihn um Hilfe gebeten. Ich habe draussen gewartet, während er bei ihr war. Er hat die Türe einen Spalt offen gelassen und ich konnte hören, wie er mit ihr gesprochen hat. Ich hatte es so empfunden, als hätte er bewusst lauter gesprochen, damit ich mitbekomme, was er macht. Er hat sie voller Sorge (einfühlsam) lauter angesprochen und gemeint, er würde ihr einen Schmerzreiz setzen, damit sie zu sich kommt...

      Ich hatte damals eine schwere Phase und ihm beim nächsten "Aufeinandertreffen" erzählt, dass ich zu meinem Exfreund zurückgehen werde. Er hatte von sich aus das Gespräch gesucht und wirkte baff, hat mein Vorhaben aber nicht in Frage gestellt. Ich habe dann komplett dicht gemacht, und bin relativ spontan nach Hause gegangen (Krankenhausaufenthalt beendet).. Ich wollte mich nicht weiter mit etwas beschäftigen, wovon mir jeder abriet, und wobei ich eh schon ein Nein kassiert habe. Ich habe einen Tag gewählt, an dem er nicht da war. Ich konnte ihm nicht mehr in die Augen sehen... Scham, Verzweiflung, Liebeskummer gepaart mit Zuversicht.

      Ich habe mich über ein Jahr lang komplett distanziert. Die Gefühle sind aber nach wie vor da. Habe seine Telefonnummer rausbekommen, - verprügelt mich dafür - , und ihm geschrieben. Er hat mir kurz und knapp geantwortet dass es ihm gut geht und ihm mein Name bekannt ist, aber er ihn mit keiner Person verknüpfen kann...

      Ich war total verunsichert und hab ihm geantwortet, dass er bescheid sagen soll, wenn er sich belästigt fühlt, und ich verspreche, dass ich dann nicht mehr antworten werde. Und woher wir uns genau kennen... und dann kam nichts mehr... Ich habe etwas Zeit verstreichen lassen und ihm dann geschrieben, dass es mir total wichtig wäre, dass wir uns aussprechen und ich ihn einfach sehr gerne leiden kann, als Mensch und nicht als Pfleger... das war gestern abend. Es kommt nichts mehr. Ich hätte ihn so gar nicht eingeschätzt. Habe zwischenzeitlich schon den Verdacht geschöpft, dass ich der falschen Person geschrieben habe, und eine Freundin sich "unabsichtlich" bei ihm verwählen lassen. Er hat so lieb reagiert. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum er einfach gar nicht mehr antwortet.. Klar weiss ich, dass ich eine Grenze überschritten habe, aber er ist nicht der Typ Mensch der so kalt reagiert. Er hätte schreiben können, dass er keinen Kontakt möchte. Ich blicke nicht durch. :(

      Danke an alle, die sich den Kram durchgelesen haben und vor allem Danke, falls sich jemand die Mühe macht, die Sitiation aus einer anderen Perspektive einzuschätzen :-p

      LG!
    • Hallo!

      Also ich glaube sein großes Problem ist, dass er seinen Job verlieren kann, wenn rauskommt, dass er privaten Kontakt mit einem / einer der Patienten hat. Ich weiß von meiner Therapie, dass man sich von einem Pfleger leicht angezogen fühlt, mir ist das auch passiert. Ich hatte den einen Pfleger beim Aufnahmegespräch, schon da fand ich ihn extrem süß. Habe dann auch immer öfter seine Nähe gesucht und sogar einem Mitpatienten erzählt, dass ich verknallt bin in ihn und er hat sogar für mich hin und her gefragt, ob er ne Freundin hat, wie alt er ist und so weiter.

      Der Pfleger war auch immer sehr nett zu mir, aber irgendwann hab ich bemerkt, dass die Gefühle nur ein "Hirngespinst" waren und dass es klar ist, dass der Pfleger sowieso nichts mit mir anfangen können würde. Deswegen hab ich das auch nie angesprochen und hab mich dann auch immer weiter distanziert von ihm.

      Mittlerweile seh ich das etwas "kühler", wir als Patienten verbringen auf einmal vieeeel Zeit mit - ofmals - jüngeren Pflegern / Pflegerinnen, die natürlich auf uns eingehen, mit uns arbeiten, sich um uns kümmern. Das "Problem" ist oft, dass wir das so gar nicht kennen, dass wir plötzlich Aufmerksamkeit und "Nähe" bekommen, da verliebt man sich sehr schnell.

      Das ist aber typisch Borderliner, das ist ein ganz normaler Vorgang - leider!

      Ich finde es gut, dass du dich einem anderen Pfleger anvertraut hast, ich finde es aber auch nicht schlecht, dass du mit ihm offen darüber gesprochen hast. Dass er jetzt so kühl ist, bzw. gar nicht mehr reagiert, ist glaub ich genau deswegen, dass du dir keine Hoffnungen mehr machst!

      Ich hoffe ich konnte dir jetzt ein wenig helfen!
      Alles Gute
    • Danke für die ehrliche Antwort!

      Ich bin mir selbst noch nicht darüber im Klaren, was "wirklich" in mir vorgeht.

      Ich habe im Moment nicht das Gefühl, als wäre mein Interesse darin begründet, dass er für mich da war. Das klingt jetzt total absurd, aber ich konnte mit seinen pflegerischen Ansätzen überhaupt nichts anfangen. Nicht, weil ich sie als schlecht empfinde, ich wollte meine Sorgen einfach nicht mit ihm teilen :-/ Ich habe mich generell keinem Pfleger vollends anvertraut, bei uns in der Stadt ist das auch eigenartig. Die meisten Pfleger sind extrem desintressiert und gehen auch gar nicht auf Gespräche ein.. Bei ihm habe ich extrem abgeblockt ... Aber ich möchte die Vermutung trotzdem nicht komplett ablehnen, weil ich von Liebe extrem wenig Ahnung habe. Ich habe sie vermutlich zu oft gesucht ..

      Ich hätte mich mit ihm einfach gerne über viele andere Dinge ausgetauscht (vor Allem im Gesundheitsbereich, da ich selbst vor Jahren eine Ausbildung in dem Bereich begonnen und abgebrochen habe.. ) gemeinsame Interessen wären vorhanden gewesen und man konnte mit ihm lockere nebensächliche Dinge mit Humor bequatschen..

      Mit 18 oder 19 hatte ich mein erstes Facharztgespräch, in den Arzt hatte ich mich vermutlich aufgrund der Fürsorge verknallt, das war aber ein komplett anderes Gefühl, und tatsächlich schnell vergessen. Bei dem Pfleger fühlt es sich fast wie eine Art "Verbundenheit" (?) an, mit der ich nichts anzufangen weiß, weil ich dieses Gefühl niemand anderem gegenüber habe und hatte. Ich verstehe es einfach nicht.

      Der nächste Konflikt ist auch einfach, dass ich selbst nicht genau weiß, was ich überhaupt von ihm wollen würde. Ich möchte im Moment keine Beziehung. Ein Verhältnis noch weniger. Ich würde einfach gerne in seiner Nähe sein und mit ihm Zeit verbringen .. So eine eigenartige Einstellung oder Empfindung ist mir selbst neu ..
    • Was in ihm vorgeht ? Der interessiert sich ganz einfach nicht für dich.
      Patient oder nicht spielt da offensichtlich absolut keine Rolle.
      Der erinnert sich ja nicht mal an deinen Namen.
      Dass Du ihn privat belästigt ist doch für ihn kein Grund diese
      Aufdringlichkeit noch in die Länge zu ziehen, indem er antwortet.
      Das wirst Du akzeptieren müssen.
    • Das stimmt leider, das wirst du hinnehmen müssen, so wie es ist. Villeicht ist es auch besser so, man kann das nie wissen. Ich konnte mich auch nur einem Pfleger vollends anvertrauen, der ist wie eine Vaterfigur für mich gewesen und ist er immer noch. Der weiß quasi alles von mir und meinem Leben, mehr, als alle Ärzte oder Therapeuten bisher... Aber dass er sich nicht interessiert, das wirst du akzeptieren müssen, wenn er sich nicht einmal an deinen Namen erinnert... nun ja ^^