Internetforen und unser Menschsein

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    • Internetforen und unser Menschsein

      Ich vermute, die meisten der Leute, die in diesem Forum registriert sind, sind auch in anderen Foren unterwegs.

      Ich frage mich, ob es eher schadet als es nutzt (Foren).

      Sicherlich, für jeden ist das anders und nicht jeder ist aus dem gleichen Grund in einem Forum.
      Mal sucht und findet man Gleich- oder ähnlich Gesinnte, mal will man sich über ein gemeinsames Thema austauschen usw.

      Ich frage mich aber, was diese Art der Kommunikation eigentlich mit uns macht.
      Denn diese Kommunikation ist sehr unverbindlich. Selbst dann,wenn man z. B. von einem Beitrag in einem Moment betroffen ist - wie lange hält das an und wie tief geht das eigentlich?

      Es ist ja keine Beziehung da. Man kann versuchen, einige Worte zu sagen und dann?
      Was macht das mit dem Anderen, wenn ich meine Betroffenheit ausdrücke? Was macht es mit mir, wenn ich sie einem Menschen gegenüber zum Ausdruck bringe, den ich nicht sehe, nicht höre, d.h. mit meinen Sinnesorganen gar nicht wahrnehme, sondern nur Geschriebenes sehe, nicht aber den Menschen.

      Machen wir uns was vor?
      Tut diese Art der "Kommunikation" - ist das überhaupt eine Kommunikation? - gut? Oder schadet sie uns in unserer Menschlichkeit, ohne dass wir es realisieren?

      Gut, das Ganze hat viele Aspekte. Viele sind einsam oder haben wenige Kontakte und man kann oft mit sog. "Gesunden" nicht über alles sprechen bzw. man will es nicht oder traut sich nicht. Hier im Forum kann man es.
      Aber mit wem "spricht" man da? Wer sind die Anderen? Besteht da überhaupt ein Kontakt?

      Was bleibt von diesem Austausch hier? Wie tief wirkt es sich in uns, wenn wir Zuspruch erfahren? Ist das halbwegs nachhaltig? Oder tut es nur im Augenblick gut und dann verpufft es wieder?

      Ich habe Zweifel, ob diese beziehungslose Art der "Kommunikation" für unsere Menschlichkeit förderlich ist oder anders,aber ähnlich: Wir hinterfragen nicht die Wirkung dieser Art der "Kommunikation" auf uns.
      Es ist nämlich zu fragen, was eine Kommunikation ist, in der keine Beziehung zwischen den Menschen besteht und was sie dann mit diesen Menschen macht.

      Dass ich nicht der erste Mensch auf diesem Planeten bin, der sich diese oder ähnliche Fragen stellt, weiß ich.
    • Hallo uzumapa,

      uzumapa schrieb:

      Ich frage mich, ob es eher schadet als es nutzt (Foren).

      diese Frage (und einige andere in Deinem Thread, die allesamt ja in weiterführenderweise unter der Überschrift Deiner Eingangsfrage stehen) ist meiner Meinung nach ziemlich leicht zu beantworten:

      Menschen, die mit realistischen und maßvollen Wünschen & Erwartungen in solche Foren gehen ... Menschen, die die Grundlagen des konstruktiven Kommunizierens mit anderen Menschen irgendwann einmal gelernt haben und Menschen, welche sich hier offenen Geistes und offenen Herzens einbringen, werden - wie ich glaube - wohl eher einen Nutzen aus solchen Foren ziehen.

      Allen anderen Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - irgendwann das Gefühl haben, dass ihnen ein BL-Forum bestenfalls überhaupt nichts bringt (oder schlimmsten Falls sogar schadet), ist zu wünschen, dass sie sich erfolgreich nach anderen (Selbst-) Hilfemöglichkeiten umschauen.
      Brüder! Über'm Sternenzelt
      Muss ein lieber Vater wohnen.
      Ihr stürzt nieder, Millionen?
      Ahnest du den Schöpfer, Welt?
      Such' ihn über'm Sternenzelt!
      Über Sternen muss er wohnen.

      (F. Schiller)
    • Hallo,

      interessante Gedanken, die Du da äußerst!

      Ich denke, dass ein Internetforum oder eine Austauschplattform grundsätzlich immer ein Pro und Contra enthält. Auf der einen Seite hat man für sich selbst einen geschützten Rahmen und ist nicht gebunden, ich entscheide selbst, wann und wo ich auf welches Thema antworte; andererseits ist dies aber auch genau der Punkt den du ansprichst, nämlich den der Menschlichkeit. Ich denke, da teile ich Deinen Gedanken, dass die wahrhaftige Menschlichkeit mit dem Persönlichen zu tun hat. Wenn ich jemanden sehen und hören kann, meine Sinne angesprochen sind, dann kann ich auch die angesprochenen Themen und Probleme ganz anders bewerten und Ratschläge geben. Ich sehe und erkenne den Menschen und weiß, was ihn beschäftigt.
      Auf einer solchen Plattform wie hier geht das auch, doch dafür müssen die Antennen sehr viel sensibler und geschulter sein.

      Grundsätzlich bin ich jedoch froh, dass wir heute die Möglichkeit haben, auch Kontakte über soziale Netze und das Internet zu schaffen. Ich bin der Meinung, dass auch ein Schreiben ohne direkten Anspruch der Sinne ein Kontakt ist. Kontakt entsteht überall da, wo ich nicht nur mit mir beschäftigt bin, sondern versuche, Menschen zu erreichen. Es kommt darauf an, wie man selbst Kontakt definiert.

      Oft erlebe ich in der Selbsthilfe, wie deutlich die Unterschiede sind. Die Meisten nehmen mit uns erstmal schriftlich Kontat auf, um sich heranzutasten. Viele wollen aber auch direkt zum Hörer greifen und anrufen. Beide Parteien haben jedoch eins gemeinsam: Bei einer realen Begegnung, entweder in der Gruppe oder zur Beratung, sind sie wieder auf dem Stand, den sie vor der Kontaktaufnahme hatten. Es scheint also so zu sein, dass Begegnungen wirklich etwas verändern und mit einem machen, davon schließe ich mich nicht aus.
      Wenn man aber so ein Forum wie hier erstmal dazu nutzen kann, um Selbstsicherheit zu bekommen und Vertrauen zu schaffen, dann finde ich das großartig!

      Freue mich auf weitere Diskussionen!

      Alles Liebe,
      Deep_Inside
      "Was Gott verbunden hat. das darf der Mensch nicht trennen"

      <3

      28. März 2015










    • Ich finde auch, dass Foren positive Aspekte haben - nicht nur einen sondern mehrere.

      Mir geht es aber um die Frage, was möglicherweise mit mir geschieht - ohne dass ich es realisiere -, wenn ich hier und in anderen Foren, Menschen antworte (wie eben gerade jetzt), die ich nicht nur nicht kenne, sondern weder sehe, noch höre.

      Es geht um Beziehung. Diese ist nämlich gar nicht existent oder fast nicht bzw. nur minimal und vor allem flüchtig.

      Natürlich, ich weiß, z.B., dass, wenn ich jemandem antworte, der gerade über ein bestehendes Problem schreibt, ich mich auf den anderen einstellen muss, ihn nicht verletzen usw., also Dinge, die man auch im direkten Kontakt, sei es am Telefon oder wenn man mit jemandem direkt spricht, beachtet, ja, aber trotzdem ist es anders und es ist dieses "Anders", das mich fragen lässt, was es mit mir macht.

      Bin ich etwa dabei - unbemerkt - Beziehungslosigkeit zu "lernen", ohne dass ich es eigentlich so möchte?
      Beziehung, ich meine damit jede menschliche Beziehung . nicht nur eine Partnerbeziehung, sondern jede menschliche Beziehung -, hat für mich mit Wahrnehmen zu tun.
      Was nehme ich aber in einem Forum von einem anderen Menschen wahr?
      Im Idealfall berührt mich etwas, was dieser Mensch erzählt und ich reagiere darauf.

      Oft ist es aber auch so, dass man schreibt, weil man von dem Gesagten sich ein Bild macht, es interpretiert oder es ist eher ein "sachliches Thema" und man schreibt entsprechend.
      Man schreibt dann einem Menschen, aber diesen Menschen nimmt man gar nicht wahr - ist das eigentlich gut für einen oder eher nicht so gut und man bemerkt es nur nicht?

      Den Menschen nimmt man nicht wahr, sondern man weiß nur, es ist jemand da, dem man das schreibt und oft ist es auch so, dass man nicht weiß, wie das, was man gesagt hat, ankommt, ob es auch so verstanden wird, wie es gemeint war oder ob es eher dem anderen nicht gut tut.

      Manchmal sieht man es an der Reaktion, manchmal aber auch nicht - und man hat auch keinen Anspruch, zu erfahren, ob es richtig verstanden wurde und was es mit dem anderen Menschen macht.
      Das ist eben auch ein Teil dieser Beziehungslosigkeit, die zum Teil Aspekte einer Beliebigkeit und/oder Unverbindlichkeit in sich trägt - ist es gut für uns, für unser Menschsein, diese Art der Kommunikation mit anderen Menschen?
      Diese Unverbindlichkeit betrifft beide "Seiten", also den, der schreibt und den, dem die Antwort gilt.

      Wie gesagt, die positiven Aspekte sehe ich , kenne ich, sonst wäre ich auch nicht in Foren unterwegs. Mir geht es nur um diesen einen Punkt.
      Wir nutzen diese Möglichkeit und über die positiven Aspekte "vergessen" wir vielleicht das Negative zu vergegenwärtigen bzw. Fragen in diese Richtung zu stellen.

      Dazu besteht aber kein Grund. Niemand wird Foren verbieten, nur weil das Ganze vielleicht auch negative Aspekte hat.
      Im Gegenteil: Die Auseinandersetzung und dadurch vielleicht möglich werdende Vergegenwärtigung negativer Aspekte kann dem Ganzen nur dienlich sein - so sehe ich es jedenfalls.

      Denn, wenn ich etwas mache, heißt das nicht, dass ich es nur dann weiter fortführen kann, wenn ich alle negative Begleiterscheinungen ausblende.
      Die Auseinandersetzung mit möglichen negativen Seiten kann ja auch dazu führen, dass das Ganze bereichert wird, belebt wird.
    • Also ich bin zwar in einem anderen Forum noch angemeldet, allerdings ist dort so gut wie nichts los - folglich bin ich dort nicht mehr unterwegs. Außerdem habe ich hier auch meine schönen Aufgaben, die mir Spaß machen und deswegen bin ich viel hier.

      Zu der Frage bezüglich dem realen Leben und dem virtuellen Leben kann ich nur sagen, dass ich real kaum Freunde oder Ansprechpersonen habe. Wenns mir schlecht geht, bin ich einsam und alleine - durch das Forum geht es mir dann aber auch oftmals besser. Ich denke das ist relativ, für jeden anders. Ich glaube aber nicht, dass man durch "Beziehungen" im Internet dem realen Leben entzieht... also zumindest bei mir ist es nicht so - ich bin nur weniger "alleine"
      Wie isst man einen Elefanten? Stück für Stück!