Borderline ist eine Modediagnose

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    • Borderline ist eine Modediagnose

      Hallo ihr Lieben,

      manche Psychotherapeuten und Psychiater sind immer noch der Meinung, dass Borderline eine Modediagnose ist und jeder der sich selbst verletzt automatisch an dieser Störung leidet.

      Wie seht ihr das?
      Ist Borderline eine Modediagnose geworden?

      Die, die die Diagnose gestellt bekommen haben, seid ihr davon überzeugt, wirklich daran zu leiden?

      Liebe Grüße,
      Zero :)

      Bevor Du urteilen willst über mich oder mein Leben,
      ziehe meine Schuhe an und laufe meinen Weg,
      durchlaufe die Straßen, Berge und Täler,
      fühle die Trauer, erlebe den Schmerz und die Freude.

      Durchlaufe die Jahre, die ich ging,
      stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin,
      stehe immer wieder auf und gehe genau die selbe Strecke weiter,
      genau wie ich es tat. - Und erst dann kannst Du urteilen!

      (Autor unbekannt...) :)

    • hallöchen,
      mir wurde die Diagnose gestellt als ich ca. 16 war und ich hab schon lange vorher gewusst, dass ich sehr viele Symptome habe, die der Krankheit entsprechen, aber ich wollte mich nicht selbst als 'Borderliner' abstempeln. Ich denke also schon, dass Mein Verhalten und Empfinden meiner Diagnose entsprichen.

      Ich hab noch nicht so viele Erfahrungen gemacht mit Borderline als Modediagnose, aber habe schon mitbekommen, dass zb in der Jugendpsychiatrie, in der ich oft war, manche Jugendliche denken, jeder, der sich selbstverletzt, hätte Borderline, manche fanden die Krankheit regelrecht "cool", oft wurden aber Selbstverletzungen allgemein gehypet ohne mit BPS in Verbindung gebracht worden zu sein.
      Ich weiß auch, dass im Internet jede Menge Bilder von Selbstverletzungen mit dem Hashtag borderline kursieren und borderline Lieder und ähnliches, aber dem gehe ich gänzlich aus dem weg, das bewirkt bei mir nur ein gefühlschaos.

      Ich muss auch zugeben, dass ich Angst hab, dass Menschen sofort ein anderes, falsches Bild von mir haben, wenn sie hören, dass mir Borderline diagnostiziert wurde. Bestätigt hat sich diese Angst jedoch noch nie.

      Alles Liebe, Yvonne
    • Och, ich denk mir genauso wie "Burnout", "ADHS", " und sonstiges eine Modediagnose sein kann.

      Ich glaube den behandelnden Ärzten kommt es nicht unbedingt darauf an, wie die Diagnose lautet, solange die grobe Richtung bekannt ist. Also eben ob es sich um eine psychische Störung oder ob um ein Körperliches Leiden handelt z.B.

      Ich denke vielmehr das "Systhem" und die Krankenkassen benötigen diese Namen um es dementsprechend kategorisieren zu können.
      Die Selbstverletzung hat man eben unter "Borderline" eingestuft weil es wohl weniger die Menschen mit "Burnout" betrifft.

      Ob ich davon überzeugt bin, dass ich durch und durch Borderliner bin weiß ich nicht, jedoch trifft für mich einiges auf mich zu und ich kann mich eben mit einer Sache identifizieren. Jemand der Zahnschmerzen hat kann ja auch sagen wo es ihm weh tut. Nur was sollte ich denn sonst jemandem sagen? Dass ich da etwas im Kopf habe was man nicht sieht?? :auweia
      ..also gebe ich dem Kind einen Namen, mit dem Begriff Borderline können manche doch etwas mehr anfangen.
      ~Durch dich bekommt mein Leben Farbe und ich bin bereit diese anzunehmen~

    • Modediagnose? Glaube ich nicht.

      Ich glaube eher, dass Borderline gerne mal missbraucht wird als Sammelbegriff, wenn eine andere psychische Diagnose nicht zutrifft, aber der Patient einen klaren Leidensdruck äußert.

      Finde das auch okay. Es wird halt nur dann schwierig, wenn man in einer Gruppe mehrere Borderliner hat, denn es gibt so viele verschiedene Ausprägungen, dass die eine Methode dem einen Patienten hilft, während sie beim anderen völlig kontraproduktiv ist.

      Der Eine sucht viel Aufmerksamkeit; dann ist es therapeutisch gesehen besser, nach dysfunktionalem Verhalten nur die nötigsten Maßnahmen zu ergreifen (ansonsten lernt die Person, dass sie dadurch Aufmerksamkeit erlangt und dann wird sich die Problematik eher verschlechtern). Das Ziel wäre hier, zu lernen, dass man Aufmerksamkeit auch durch positive Dinge erlangen kann.
      Bei dem nächsten ist es so, dass sie sich eher zurück zieht und schweigt; dann wäre es besser, in einem Einzelgespräch auch auf die Details einzugehen. Das war jetzt ein sehr grobes Beispiel, ich hoffe es wurde deutlich, was ich damit meine. ;)

      Aus meiner Sicht kann man von einer Selbstverletzung nur ganz allgemein schlussfolgern, dass entweder eine psychische Erkrankung vorliegt oder eine massive Lebenskrise. Konkrete Angaben kann man aber erst nach genauer Diagnostik machen. Die Aussage, dass alle, die sich selbst verletzen, Borderliner sind, ist völliger Blödsinn. Es gibt nämlich auch den seltenen Fall, dass jemand Borderline hat, ohne sich selbst zu verletzen.
      Ich habe zb einen Bekannten mit Borderline, der sich überhaupt nicht selbst verletzt. Bei ihm äußert sich es eher im Inneren und durch selbstschädigende Verhaltensweisen wie exzesives Geldausgeben.

      Liebe Grüße
      Eis
    • Modediagnose...ich hasse dieses Wort :D

      Weil es das Leiden herunterspielt + man nicht ernst genommen wird. Sei es bei Burnout, Depression, ADHS, Borderline, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Migräne oder Anderem.

      Ich finde nicht, dass es eine Modeerscheinung ist. Man (die Gesellschaft) bekommt nur langsam ein Bewusstsein dafür + es wird öfter wahr genommen/ mehr darauf geachtet. (was leider nicht für mehr Akzeptanz sorgt)
      "Drum prüfe wer sich ewig bindet. Ob sich das Herz zum Herzen findet."

      ..."Das Lied von der Glocke"; von Friedrich von Schiller
    • Ich erlebe immer wieder, dass Borderline als Modediagnose und Sammelbegriff für alle möglichen psychischen Störungen oder gar als nicht existent bezeichnet wird. Und das nicht nur von Laien, sondern von Ärzten und Pflegepersonal. Als ich nach meinem letzten Klinikaufenthalt auf der Suche nach einem/einer Therapeuten/in war, bin ich doch tatsächlich an einen geraten, der keine Patienten mit Borderline annimmt, weil die Störung für ihn nicht existiert. X(
    • Meine Erfahrung bisher ist, dass bei SVV sehr schnell die Diagnose Borderline gestellt wird. Als Modediagnose habe ich es bisher nicht wahrgenommen, aber ich musste doch feststellen, dass sehr viel Ärzte (insbesondere Chirugen) absolut kein Verständis dafür haben.

      Als Modediagnose kenne ich eher die ADHS wo mein Therapeut immer wieder betont es sei doch eine Modediagnose...
      Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

      Blaise Pascal
    • Ja...viele Therapeuten nehmen keine Borderline Patienten auf...aufgrund der schlechten Erfahrungen angeblich. Oder vielleicht doch wegen des Schubladendenkens?!? :thumbup: :!: :?:

      Ich finde auch, dass Borderline viel zu schnell diagnostiziert wird. Leider lassen sich die Kriterien ja auch recht schnell erfüllen. Meine Freundin studiert Psychologie und hat laut Diagnosekriterien auch BL. Ich finde so eine Diagnose dürfte erst nach ner gewissen Zeit in Therapie gestellt werden. Meine Meinung :)
    • Hi Jelchen,


      Aus wissenschaftlicher Sicht darf eine Borderlinediagnose erst gestellt werden, wenn die Symptome mindestens 5 Jahre lang da sind. (In der Praxis macht es natürlich keinen Sinn, einen Patienten mit dieser Symptomatik so lange leiden zu lassen, bis man eine gesicherte Diagnose hat und z.B. mit DBP anfangen kann).
      Aber diese 5 Jahre sind der Grund, wieso ich mal bei einer Studie nicht teilnehmen durfte, zu dem Zeitpunkt waren es einfach noch keine 5 Jahre und damit hatte ich aus wissenschaftlicher Sicht keine Borderline.

      Die ADHS-Diagnose habe ich erst mit 23 bekommen... So viel also zu jedes Kind, kriegt das hinterher geschmissen.

      Gruß Fincay
      Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

      Blaise Pascal
    • Hey Fincay,

      Ich wollte damit sagen, dass einige Diagnosen leichtsinnig vergeben werden. Heute zumindest. Na klar ist Dbt sofort sinnvoll und ich weiss, dass die Symptome für die Diagnostik 5 Jahre bestehen sollen. Aber ich finde nicht, dass ein Mädchen was zB Schulstress hat und sich meinetwegen verletzt gleich eine Borderline Diagnose verdient hat & Dbt machen muss/soll. Es muss halt besser hinter die Fassaden geguckt werden und ich denke das war mit "Modekrankheit" gemeint. Deswegen auch Begriff "Schubladendenken"
    • Ja und ob..als Jugendliche war ich verhaltensauffällig..wutausbrüche, SVV, aggressiv etc..der Herr Psychologe sagte das sei die Pubertät. Ich hab dann jahrelang keine großartigen Symptome gehabt bis ich mich vor 2 Jahren in einer Tagesklinik mit Depressiven Mitpatienten wiedergefunden hab und die Diagnose der klinik war Depression. Meine Psychiaterin hat letztes Jahr die F 60.1 gestellt was sich dieses jahr in der Klinik (stationär) auch bestätigt hat.
    • Nein, ich glaube nicht, dass die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Modeerscheinung in dem Sinne ist, dass jede Menge Leute völlig ungerechtfertigt so eingestuft werden. Etwa wie es meiner Meinung nach mit dem Burnot-Syndrom, oder noch stärker bei ADHS der Fall ist.

      Ich denke, dass in den letzten Jahren relativ viele Fälle diagnostiziert wurden, liegt daran, dass das Krankheitbild in der klinischen Psychologie früher nicht erkannt wurde. Es gab eben Neurosen, mit den verschiedenen Ausprägungen, oder eben Psychosen.

      Als ich vor ca. 25 Jahren meine Therapie begonnen habe, und mich mit der Thematik beschäftigt habe, wurde mir diese Diagnose nicht mitgeteilt, obwohl auch während der Therapie klar wurde, dass meine Problematik mit ein wenig Gesprächsthera wohl nicht zu lösen sein würde. Das "Trauma" aus dem Kleinstkindalter wurde zwar als Auslöser benannt, aber mir wurde nie explizit gesagt, dass eine Heilung nicht wirklich möglich ist.
      Nebenbei, ich war ziemlich verzweifelt, weil meine (begleitenden) Ängste und Depressionen so völlig therapieresistent waren, und ich habe deswegen erheblich mit Selbstabwertung zu tun gehabt, weil andere Leute scheinbar immer eine Besserung ihrer Probleme erlebt haben. Ich bin also sehr froh, zumindest nachträglich einen Grund dafür gefunden zu haben.
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    • Für mich ist das ganz und Gar NICHT eine MODE.
      Ich finde es sogar schrecklich, das Ärtzte/Psychologen allen eine Diagnose mit Borderline geben möchten.
      Bin dafür, dass man da genauer drauf schaut und NICHT nach einem Punkt die Diagnose gibt.
      Ich fühle mich nicht alt, weil ich so viele Jahre hinter mir habe,
      sondern weil nur noch so wenige vor mir liegen.

      Ein Frau, die ihr wahres Alter verrät, ist fähig alles zu verraten.
    • Also leichtfertig und meistens viel zu schnell wird sie in der Tat vergeben.
      Ich bin der Meinung, dass in einem Erstgespräch und ohne Beziehung zum Patienten keine Persönlichkeitsstörung ,,mal eben so" diagnostiziert werden kann. Dafür sind sie viel zu komplex!

      Mir platzen die Ohren wenn ich höre Selbstverletzung = Borderline!
      Das ist absolut nicht der Fall!
      Leider wird genau das in den Medien und in der Öffentlichkeit postuliert.
      Wenn man Laien fragt was Borderline ist kommt eigentlich immer ,,Das sind doch die, die sich ritzen!"
      und das macht mich unendlich wütend :cursing: . Das ist ein Klischee und richtig abwertend, wenn ihr mich fragt.

      Die Tiefe dieser Diagnose ist leider sehr unbekannt, selbst unter Ärzten und Therapeuten! :!:
      In meinem Studium wurden Persönlichkeitsstörungen nur mal ,,erwähnt".
      Wer kein Interesse hat, hat sich also auch nicht eingelesen und weiß darüber gar nichts.
      Ist am Ende trotzdem dann Arzt 8| !

      Nach ewiger Suche übrigens hat mir EIN Psychologe die Augen geöffnet, wohl gemerkt nachdem wir 6 STUNDEN miteinander verbracht haben! Ich bin wohl eher narzisstisch Persönlichkeitsgestört (und SVV gibt es bei mir auch ;) , nimm das Klischee!)
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    • Ich finde es genauso verletzend, wenn ADHS als Modediagnose abgetan wird. Es werden (zumindest bei Erwachsenen) aktuell weit mehr Diagnosen gestellt als in der Vergangenheit. Das liegt aber schlicht daran, dass in der Medizin bis vor wenigen Jahren noch die Meinung vorherrschte mit dem 18. Geburtstag ist die Krankheit plötzlich weggeblasen. Zudem war es auch eigentlich nicht zulässig Erwachsene medikamentös zu behandeln.
      Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

      Blaise Pascal
    • Burnout ist meiner Meinung nach auch nur ein Modewort für eine reaktive Depression oder depressive Episode.
      ,,Ausgebrannt" zu sein macht es nur leichter, da es ja impliziert man habe vorher ordentlich Gas gegeben und sei nun daran zerbrochen. Das man vorher richtig viel Leistung gebracht hat insbesondere beruflich, was gerne positiv assoziiert wird.

      Aber ich will jetzt keine schlafenden Hunde wecken :rolleyes: ,das ist nur meine Meinung ;) .
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    • Burnout ist (zumindest laut ICD10) ja gar keine klinisch relevante Diagnose.

      Mein Gefühl ist nur, dass viele Menschen keine Ahnung haben und im Endstadium (=kurz vorm Zusammenbruch) zeigen ja sehr viele psychisch kranke Menschen die "Burnout"-Symptome, daher ist Burnout einfach das neue Sammelwort für psychische Erkrankungen, die zumindest auch teilweise durch eine vorherige Überforderung ausgelöst/verstärkt wurden. Mit dem was in der Literatur als Burnout bezeichnet wird hat das wenig zu tun.

      Nur auf Depressive Erkrankungen würde ich das daher nicht einschränken.
      Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.

      Blaise Pascal
    • Off-topic:

      @Fincay: Ja, ich hätte bestimmt schon oft die Diagnose "Burnout" gestellt bekommen können, nur war das kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Ergebnis meiner sonstigen psychischen Probleme.

      Und ADHS: ich kannte selbst einige zugegebenermaßen anstrengende Kinder, die einfach nicht so richtig mit dem eher sessilen Lebenstil in unserer Gesellschaft zurechtkamen, körperlich völlig unterfordert waren, oder sich einfach nicht solange konzentrieren konnten wie die meisten Gleichaltrigen, und von Ärzten dann bequemerweise ADHS-dignostiziert wurden. In allen diesen Fällen haben die jeweiligen Eltern die Diagnose ignoriert, und alle Kinder kommen inzwischen gut zurecht. Ohne Therapie, ohne Medis.
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