Beim Jobcenter wie Dreck behandelt - Dürfen die das?!

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    • Beim Jobcenter wie Dreck behandelt - Dürfen die das?!

      Hallo ihr Lieben,

      zum einen muss ich gestehen, ja, ich kotze mich ein Bisschen aus, aber zum anderen würde ich gerne wissen, wie eure Erfahrungen zu dem Thema sind und was man dagegen machen kann.

      Am vergangenen Freitag hatte ich einen Termin bei der Arbeitsvermittlerin im Jobcenter. Den Termin habe ich erhalten, weil die Herrschaften die eingereichte Kopie meiner Krankschreibung bereits zum zweiten Mal untergehen lassen haben, statt sie abzuheften!
      Ich blieb dennoch geduldig und reichte das Original für eine Kopie erneut ein und ließ mir erneut einen Datums-Stempel geben. Die Dame beschaute den Praxis-Stempel auf dem Schriftstück und noch während die Tür ihres Büros offen war und Leute auf dem Flur direkt an der Tür warteten, sagte sie laut: "Oh, Sie sind in PSYCHOLOGISCHER Behandlung! Na sowas dauert ja immer ein Bisschen länger, nicht wahr? Erkundigen Sie sich mal über Erwerbslosen-Rente, allzulange zahlen wir das nicht!"
      Ich war völlig baff und schockiert - und ich starb tausend Tode, als ich den Gang herunterlief und man mich anstarrte.

      In den Terminen zuvor habe ich bereits solche Sachen erlebt, wurde auch schon beschuldigt, heimlich Geld zu verstecken und dergleichen.
      Mich so richtig zu wehren traue ich mich nicht, weil in jedem Gang Security-Kräfte stehen, die auf mich sehr einschüchternd wirken - auch, wenn sie bisher sehr höflich waren.

      Das Einzige, was wenigstens ein kleines Bisschen half bisher, war, dass ich eine Sozialarbeiterin vom Sozialpsychiatrischen Dienst mitgenommen habe. Es war nicht besser und auch nicht höflicher, doch sie stand auf und verteidigte mich, genauso wie sie mich nach den Terminen wieder aufbaute, bis ich stabil genug war, allein nach Hause zu fahren.

      Muss sowas sein?
      Gibt es noch andere Wege, sich zu wehren?
      Was sind eure Erfahrungen damit?
      Habt ihr vielleicht sinnvolle Tipps?

      ...oder geht es nur mir so?

      liebe Grüße,
      ein verzweifeltes Fröstchen
    • Die Dame hat vermutlich fahrlässig das Dienstgeheimnis verletzt und Du könntest sie jetzt mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde angreifen. Herauskommen würde dabei allerdings nichts.

      Du solltest Dir lieber überlegen, warum Du Dich weniger Wert fühlst wegen der "psychologischen Behandlung". Man schätzt, dass die HÄLFTE aller Deutschen in ihrem Leben mal eine längere depressive Phase durchmachen, mit der sie besser in psychologische Behandlung gehen sollten. Wenn man die alle als "verrückt" sieht, dann ist das Verrückte das neue Normal.

      Selbst die Dame vom Jobcenter hat Dir vermutlich nur auf dilettantische Weise ihren besten Rat geben wollen. Sehr gut, dass Du die Sozialarbeiterin dabei hattest und die sich für Dich eingesetzt hat. Die würde ich das nächste Mal wieder mitnehmen.
      Löse die Probleme Deiner Eltern oder gib sie an Deine Kinder weiter. ?(
    • Hallo Frost,

      leider ist diese Behandlung gerade bei Erstantragstellern oder jungen Menschen heute fast überall Standard. Es wird mit allen Mitteln versucht, die Leute aus dem Bezug von ALG 2 zu drängen. Das passiert nicht nur dir.

      Das einzige, was wirklich hilft, ist dauerhafte Gegenwehr. Nimm immer jemanden zu den Terminen mit, gut wenn es eine Sozialarbeiterin ist, die dich verteidigt. Wenn Unterlagen dort nicht angeblich nicht ankommen, bring sie vorbei und lass dir den Erhalt quittieren. Kenne deine Rechte! Das mit der Erwerbslosenrente ist z. B. wegen psychologischer Behandlung völliger Quatsch.

      Wenn du länger beim JC bleiben musst, würde ich wirklich überlegen eine Beschwerde über die Dame einzureichen. Sie hat nämlich kein Recht solch private Informationen im Wartebereich auszuplaudern. Das wird erstmal nicht viel ändern, aber du zeigst damit, dass du dich wehrst. Und wenn sie das verstanden haben, wirst du respektvoller behandelt. Leider kann das einige Zeit dauern und ist sehr unangenehm.

      Dirk hat Recht, es ist keine Schande sich psychologisch behandeln zu lassen.

      Viel Kraft! H.
    • Vielen lieben Dank für eure Antworten!

      Naja, ich habe nun erst mit meiner allerersten psychologischen Behandlung begonnen. Das ist alles sehr neu für mich und ich habe zwar etwas rückhalt, stoße aber auf extrem viel Ablehnung - deswegen bin ich hier.

      Vielen Dank für eure Tipps - ich werde weiter mit dem sozialpsychiatrischen Dienst in Kontakt bleiben. Wer jemals Hilfe bei sowas braucht, ich kann die Leute da nur empfehlen! Die setzen sich sehr ein und machen einen tollen Job und sie wissen ganz genau, was für Rechte man hat.
    • Hallo Frost.
      Ich kenne das Problem mit dem Jobcenter nur zu gut. Auch wenn ich volle Erwerbsunfähigkeitsrente bekomme, war mein Mann bis letztes Jahr auch beim Jobcenter und wir werden nun mal als eine Bedarfsgemeinschaft angesehen. Seit letztem Jahr bekommt er auch befristet Erwerbsunfähigkeitsrente. Unsere Sachen sind auch immer verschwunden und wir wurden als Lügner hingestellt, wir hätten gar nichts abgegeben. Vor allem bei den Verlängerungsanträgen. So dass wir streckenweise gar kein Geld hatten. Auf unserem Jobcenter ist es nicht üblich abgegebene Unterlagen abzuzeichnen. Das ist angeblich zuviel Arbeitsaufwand und andere Kunden müssten dann zu lange warten. Kich Kich, Lach Lach. Ich wohne in einem der am dünnsten besiedelten Bundesländer. Ich frage mich immer wo die vielen anderen Kunden sind? Denn meistens ist man alleine da.
      Wir sind dann vor ein paar Jahren in die VDK eingetreten. Das ist der Verband Deutscher Kriegversehrter, die aber heute das Aufgabenfeld haben sich für uns mit Behörden rumzuschlagen. Das kostet 6 Euro im Monat, aber das ist gut angelegtes Geld. Wir schicken alle Formulare über den VDK. Da haben die vom Jobcenter einmal gesagt, unser neuer Antrag wäre nicht abgegeben worden. Da habe ich die VDK angerufen und zwei Tage später war das Geld da. Vor dem Verein haben die " netten Herrschaften " vom Jobcenter wirklich Angst. Die helfen bei allen Behördenfragen, wissen genau wo du was beantragen kannst und füllen alles mit dir aus. Wenn irgendwas schief läuft legen die Widerspruch ein und gehen mit dir bis in die zweite Distanz vor Gericht. Das alles ist in den monatlichen sechs Euro enthalten.
      Auch bei der Rente hatten wir von dort aus Hilfe.
      Ich will hier keine Schleichwerbung machen. Der VDK ist ein gemeinnütziger Verein, der sich über den Beitrag finanziert. Ich kann es nur empfehlen, weil wir als einfache Bürger, gerade beim Jobcenter, sonst keine Chance haben unser Recht zu bekommen.
      Bei uns gibt es leider keinen Sozialdienste die umsonst helfen. :(
      Ich hoffe, ich konnte Dir, lieber Frost, etwas weiterhelfen
      Mimo
      Gott hat seinen Engeln befohlen,
      Dich zu beschützen, wohin Du auch gehst.
      Sie werden Dich auf Händen tragen,
      damit Du nicht über Steine stolperst.
      (Psalm 91 11-12) :saint:
    • Um das Jobcenter jetzt mal nicht ganz und gar als den "Buhmann" darzustellen, muss ich sagen, dass ich bisher eher gute Erfahrungen gemacht hatte. Ich wurde stets höflich und angemessen behandelt. Ich beziehe Arbeitslosengeld 2 und das schon eine ganze Weile.
      Klar komplikationen hatte ich auch schon dort. Man wollte von mir irrtümlicherweise 1200,- € wieder haben, aufgrund eines Verwaltungfehlers.
      Das ist dann ziemlich übel, sehe ich aber nicht gegen mich als Person gerichtet.

      Ich finde wir haben es in Deutschland wirklich gut organisiert, wenn man sich selbst mal nicht auf den Beinen halten kann. Aber klar, wo man das Beste gewohnt ist, wo man den Luxus genießt, da geht es eben nicht gut genug, es muss immer noch viel besser sein nicht wahr?
      Wir leben doch im Schnitt ganz gut hier in Deutschland. Mir ist bewusst das da jeder seine eigenen Erfahrungen hat und dass diese auch unterschiedlich ausfallen, aber wo wird man denn vom Arbeitsamt regelmäßig daran erinnert, seinen Arbeitslosengeldantrag zu verlängern?
      Die laufen einem sogar noch hinterher! Wo gibts denn sowas? Ja, richtig, hier bei uns in Deutschland.

      Ich möchte mich nicht beklagen, manche machen ihre Arbeit gut, andere weniger. Das passiert im Jobcenter, aber auch wenn man in einem Restaurant essen geht.

      Solche Dinge wie du sie erlebt hast @Frost wünsche ich keinem. Mir erging es ähnlich, allerdings bei Psychiatern und Ärzten, die sich wirklich unangebracht verhielten.
      ~Durch dich bekommt mein Leben Farbe und ich bin bereit diese anzunehmen~

    • @Mimo
      Vielen lieben Dank für deinen Tipp! Ich bin sehr froh, dass es soziale Dienste hier gibt, die nichts kosten...

      @Snopy
      Ich freue mich sehr, zu lesen, dass du mit ihnen kein Pech hast!
      Leider musste ich bereits mit dem Jobcenter aufwachsen und war ihnen als Kind bereits spinnefeind - sie brachten meine Eltern zum Weinen, das mussten wahrlich böse Menschen sein.
      Ich denke mal, dass ein Großteil meines Problems mit ihnen darin besteht, in welchem Stadtteil ich mich melden muss.
      Die Herrschaften in Hamburg-Billstedt sind immer ziemlich überfüllt und mit Sicherheit durch den Ansturm auch recht gestresst - allerdings empfinde ich es immernoch nicht als angebracht, mich dafür persönlich anzugreifen.
    • @Snoopy1982
      Ja Du hast Recht, nur in Deutschland laufen sie einem mit dem Antrag hinterher. Das gibt es sonst nirgendwo.
      Nur das mit dem Leben im Luxus kann ich so nicht unterschreiben.
      Ich brauche keinen Luxus. Mir reicht ein Dach über dem Kopf, was anzuziehen und Essen im Kühlschrank, und das ich meinen Strom und im Winter das Heizen bezahlen kann.
      Aber selbst das war streckenweise nicht gegeben. Als ich mich beschwert habe, dass ich für die Kinder nichts anständiges zu essen mehr habe (da ging es um Obst und Gemüse) sagte man mir, ich könne ja sieben mal die Woche Nudeln mit Ketchup auf den Tisch stellen und morgens und abends Haferflocken. Ich weiß nicht ob das eine so ausgewogene Ernährung für Kinder ist und auch das Jugendamt ist da anderer Meinung.Und als die Waschmaschine kaputt war meinten die Herrschaften: Meine Muter lebe ja im selben Ort und ich könnte da waschen. Diese Aussagen fand ich ganz schön frech.
      Aber Du hast gute Erfahrungen mit denen gemacht. Es ist von Jobcenter zu Jobcenter ganz verschieden, wie die Leute drauf sind und mit ihrem Ermessungsspielraum umgehen. Das für uns zuständige ist bekannt dafür, das die Leute dort wie Dreck behandelt werden. Aber eine Dienstaufsichtsbeschwerde ist die drei F formlos, fristlos, fruchtlos. Das hat mir ein Anwalt gesagt.Nun ja, wir brauchen die nicht mehr.
      und das ist auch gut so
      Gott hat seinen Engeln befohlen,
      Dich zu beschützen, wohin Du auch gehst.
      Sie werden Dich auf Händen tragen,
      damit Du nicht über Steine stolperst.
      (Psalm 91 11-12) :saint:
    • Durch Bekannte und Freunde habe ich auch einiges mitbekommen, wie es laufen kann. Was ich auch rausgehört habe ist, dass es gerne mal mit zweierlei Maß gemessen wird je nach Berater. Einer, der Arbeit hat und vielleicht zum Aufstocker wird (was noch gar nicht raus ist) muss sich "dumm" kommen lassen, weil er waracheinlich einen kleinen Zuschuss bekommt ("Sie können doch nicht ewig von Steuergeldern leben") und ein Langzeithartzer drückt auf die Tränendrüse und wird dadurch in Watte gepackt.
    • @Mimo
      Oooh dieses Märchen kenne ich nur zu gut - so gingen sie auch mit meiner Mutter um, die auch beruflich als hoffnungsloser Fall betitelt wurde... und jetzt aber nach 25 Jahren ohne Hilfe ganz allein wieder in ihren Job zurück kam.
      Das mit dem Essen hat man bei uns ähnlich vorgeschlagen...

      @Baleya
      Nun, ich bin kein Aufstocker - ich denke, ich werde wohl eher als ein so genannter "Langzeitharzer" gelten... ich bin dort auch schon in Tränen ausgebrochen, aber nicht, weil ich jemanden weichklopfen wollte, sondern weil man mich meiner Krankheit wegen als Lügnerin bezeichnete, die Geld versteckt und nur noch mehr raushauen wolle... in Watte gepackt wurde ich dafür auch nicht.
      Ich glaube es gibt da mehr, als nur zwei Maße.
    • @Frost: Es war jetzt auch kein Angriff auf dich oder andere, die Hartz4 bekommen. Bei meinem Beispiel drückte derjenige auf die Tränendrüse, weil kein Interesse an Arbeit besteht und in den letzten 10 Jahren auch nicht wirklich bestand. Irgendwie muss man den Berater ja klar machen, dass man nicht will. So stellt man seine familiäre Situation halt etwas drastischer dar, als das sie wirklich ist nur um keine Bewerbungen mehr schreiben zu müssen. Derjenige tut auch alles, um eine Festanstellung zu vermeiden. Der wird dank seinen Bewerbungen noch nicht einmal eingeladen.

      Und genau das ist ja das Miese dran. Der kommt damit durch und andere, die sich wirklich bemühen, wollen oder aus irgendwelchen tatsächlichen Gründen nicht können (z.B. Krankheit) kommen an einen Berater, der einen das Leben schwer macht.

      Und ja, da gibt es sicher einige Facetten.